Artikel teilen:

NS-Verstrickung: Goslar benennt Musikpreis “Paul-Lincke-Ring” um

Der Musikpreis der Stadt Goslar „Paul-Lincke-Ring“ wird rückwirkend ab dem Jahr 2024 unter dem Namen „Der Goldene Ton“ verliehen. Der Musiker, Schriftsteller und Texter Sven Regener werde damit im November ausgezeichnet, teilte die Stadt am Donnerstag mit. Der undotierte Preis werde als Ring mit neuem Design weiterhin im Goslarer Ortsteil Hahnenklee-Bockswiese verliehen.

Ein Symposium hatte im vergangenen Jahr mögliche Verstrickungen des Operettenkomponisten Paul Lincke (1866-1946) in den Nationalsozialismus geprüft. Mit Blick auf eine Klärung von Linckes Vergangenheit hatte die Stadt Goslar außerdem im vergangenen Jahr die Verleihung des Paul-Lincke-Rings zunächst ausgesetzt. Zugleich gab die Kommune eine Fachexpertise in Auftrag, die Linckes Haltung in der NS-Zeit betrachten soll. Für den weiteren Umgang mit dem Komponisten werde nun ein „erinnerungskulturelles Format“ entwickelt, hieß es nach einer Ratsentscheidung vom Dienstag.

Lincke war seit 1933 Mitglied und im Vorstand der von NS-Propagandaminister Joseph Goebbels gegründeten „Kameradschaft der Deutschen Künstler“. Noch im selben Jahr komponierte er den Marsch „Unsere braunen Jungens“, der zum Repertoire der SS-Leibstandarte Adolf Hitler gehörte. Es folgten weitere Kompositionen mit ähnlichen Titeln. Lincke war bisherigen Forschungen zufolge zwar nie Mitglied der NSDAP, ihn verbanden aber persönliche und teilweise enge Kontakte zu verschiedenen prominenten Nationalsozialisten.

Die Auszeichnung geht seit 1955 an Künstlerinnen und Künstler, die sich um die deutsche Unterhaltungsmusik und neue musikalische Bühnenwerke verdient gemacht haben. Zu den bisherigen Preisträgern des Lincke-Rings zählen Udo Jürgens, Peter Maffay, Udo Lindenberg, Max Raabe, Wolfgang Niedecken, Ina Müller, Johannes Oerding und Annett Louisan.

In einem gemeinsamen Statement würdigen die Jury und die Stadt Goslar alle bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger für ihr musikalisches Schaffen. Sie betonen zudem, dass der Preis stets die künstlerischen Leistungen der Geehrten in den Mittelpunkt gestellt habe.