Nordrhein-Westfalens Arbeitsminister Karl-Josef Laumann wünscht sich in seiner CDU mehr Fingerspitzengefühl in der Debatte über Sozialreformen und kritisiert den jüngsten Vorstoß aus dem Wirtschaftsflügel seiner Partei zur Einschränkung der Teilzeitarbeit. „Man sollte bei dem Thema aufpassen, wie man formuliert“, sagte der CDU-Vizevorsitzende dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“ (Sonntag/Online) mit Blick auf die Klage von Parteikollegen über „Lifestyle-Teilzeit“ im Land. Laumann betonte: „Die Deutschen sind nicht faul. Die Deutschen sind nach wie vor sehr fleißig.“
Der Wirtschaftsflügel der CDU plant, den grundsätzlichen Rechtsanspruch auf Teilzeit abzuschaffen. Ein entsprechender Antrag der Mittelstands- und Wirtschaftsunion mit dem Titel „Kein Rechtsanspruch auf Lifestyle-Teilzeit“ soll Ende Februar auf dem Bundesparteitag eingebracht werden. In dem Antrag wird gefordert, dass der bisher geltende Rechtsanspruch auf Teilzeit künftig nur bei „Vorliegen einer besonderen Begründung gelten“ solle. Dazu zählten etwa die Erziehung von Kindern, die Pflege Angehöriger oder Weiterbildungen.
Der Antrag war vielfach in die Kritik geraten, auch in der Union selbst. Laumann sagte, der Antrag werde in dieser Form nicht durchkommen. „Wir haben andere Probleme zu lösen, als über den Rechtsanspruch auf Teilzeit zu diskutieren. Die Menschen sollten die Freiheit haben, solche Entscheidungen für sich zu treffen.“ Es gebe vielleicht Fälle, in denen Menschen wegen ihrer individuellen Lebensgestaltung in Teilzeit gingen, aber das sei kein Massenphänomen.
„Viele Menschen reduzieren ihre Arbeitsstunden, um Kinder großzuziehen oder Angehörige zu pflegen“, sagte Laumann. „Das ist auch unbezahlte Arbeit für die Gesellschaft.“ Am Ende sei das Klima am Arbeitsplatz entscheidend dafür, mehr Menschen dazu zu bringen, mehr zu arbeiten.