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Notfallseelsorger: “Müssen den Leuten den Kotzkübel hinhalten”

Der Passauer Notfallseelsorger Dieter Schwibach sieht sich und seine Kollegen nach dem Hochwasser noch wochenlang gefordert. “Die Leute müssen ins Reden kommen, ihr Leid und ihren Verlust beklagen können”, sagte der Theologe am Freitag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Jetzt sei alles vom Schock überdeckt. “Die sogenannten Belastungsstörungen kommen erst danach.” Das passiere, wenn die Schäden offensichtlich würden. Dann würden die Menschen auch erkennen, was sie verloren hätten.

“Die Seelsorger dürfen dann nicht in ihren Kirchen sitzenbleiben und warten, ob jemand kommt. Dann heißt es zu den Leuten rausgehen”, sagte Schwibach. “Da sind keine tiefen Gespräche über Gott und die Welt angesagt. Dann werden wir – mit Verlaub – den Kotzkübel hinhalten müssen.” Das bedeute mitunter “eine zähe Streetworker-Arbeit”.

Nach den ersten Warnungen vor Starkregen seien die Anruferzahlen bei der Telefonseelsorge nach oben gegangen, berichtete der Pastoralreferent. Bei einigen, die vom Jahrhunderthochwasser vor elf Jahren massiv betroffen gewesen seien, hätten sich die Ängste von damals zurückgemeldet. Das sei auch in Orten so gewesen, die zu dem Zeitpunkt noch absolut sicher gewesen seien.