Noch steht im Münchner Werksviertel ein 78 Meter hohes Riesenrad. So einige Runden wird es in den nächsten Jahren noch drehen dürfen, auch wenn nun klar ist, dass an der Stelle das neue Konzerthaus entstehen soll.
Die bayerische Staatsregierung hat eine Neuplanung des Münchner Konzerthauses auf den Weg gebracht. Nach der Kabinettssitzung am Dienstag hieß es, aus dem Milliarden- werde ein Millionenprojekt. Die Baukosten sollten halbiert und das Raumprogramm um ein Drittel verringert werden. Weiterhin vorgesehen bleibe ein Konzertsaal mit bis zu 1.900 Sitzplätzen sowie ein vielfältig nutzbarer Raum für kleinere Veranstaltungen mit bis zu 200 Personen. An der Technik und Qualität der Ausstattung würden keine Abstriche gemacht.
Die enge Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Rundfunk ermögliche modernste Ton- und Bildaufzeichnungen, so die Staatsregierung. Damit biete sich die Chance, “eine echte Vorreiterrolle bei der Digitalität einzunehmen”. Der neue Anlauf sieht keinen kleinen Konzertsaal mehr sowie weniger Büro- und Lagerflächen vor. Dafür könnten neue Schwerpunkte wie Nachhaltigkeit und Klimaschutz gesetzt werden, etwa durch eine Fassadenbegrünung.
Entstehen soll das Konzerthaus im hinter dem Ostbahnhof gelegenen Werksviertel. Den Bau hatten vor allem das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (BRSO) und sein Ende November 2019 gestorbener Chefdirigent Mariss Jansons vorangetrieben. Der aktuelle Chefdirigent Simon Rattle klagte zuletzt, dass das BRSO faktisch immer auf Tour sei, selbst in München. Denn es habe bisher keinen eigenen Ort. “Selbst im Herkulessaal sind wir nur zu Gast.” Auch die Isarphilharmonie, derzeit Ausweichquartier für das sanierungsbedürftige Gasteig-Kulturzentrum, gehöre zuallererst den Philharmonikern.