Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) im Saarland hat am Donnerstag in Saarbrücken einen neuen Frauenhausstandort mit 13 Schutzplätzen für Frauen eröffnet. „Es entstanden sieben Wohneinheiten, darunter ein barrierfreier Platz“, sagte die stellvertretende AWO-Landesvorsitzende Heike Kayser. Die AWO ist Trägerin aller vier Frauenhäuser im Saarland, die sich neben Saarbrücken in Völklingen, Neunkirchen und Saarlouis befinden.
Einrichtungsleiterin Lisa Schommer erklärte, dass der neue Standort ein modernes Wohnkonzept mit größeren und helleren Zimmern habe. Zudem seien Beratungs- und Wohnbereich voneinander getrennt, sodass es mehr Ruhe und Struktur gebe. AWO-Bereichsleiterin Mascha Nunold unterstrich, dass die alleinige Trägerschaft standardisierte und koordinierte Aufnahmen erleichtere. Zu den Risikofaktoren für Frauen gehörten etwa die Handy-Ortung, Apps, die mit dem Partner verbunden seien oder aufgespielte Spyware. Erst am Mittwoch sei ein Mann in das Auto einer Bewohnerin des Frauenhauses in Neunkirchen eingestiegen und habe ein GPS-Gerät hinterlegt. „Das ist wirklich etwas, was uns permanent begegnet“, betonte sie.
Bundestagsvizepräsidentin Josephine Ortleb (SPD) sagte, dass Gewalt gegen Frauen kein privates, sondern ein strukturelles Problem sei. Der Staat müsse politische Lösungen finden. „Politik kann Gewalt nicht alleine beenden“, räumte die Saarbrücker Bundestagsabgeordnete ein. Wichtig sei auch über Männlichkeitsbilder, Frauenhass und Besitzdenken zu reden. „Wir müssen über die Vorbilder reden, die junge Männer gerade haben“, betonte sie.
Die Direktorin des Regionalverbands Saarbrücken, Carolin Lehberger (SPD), erklärte, dass der Bedarf an Frauenhausplätzen nach wie vor hoch sei. Hätten während der Corona-Pandemie im Schnitt bis zu 100 Frauen Schutz gesucht, seien es 2024 immer noch 62 gewesen. Der saarländische Sozialminister Magnus Jung (SPD) appellierte an die anderen Bundesländer, ihr Angebot weiter auszubauen. Im Schnitt kämen ein Drittel der Bewohnerinnen von Frauenhäusern im Saarland aus einem anderen Bundesland. Außerhalb des Saarlandes seien im vergangenen Jahr zwölf Saarländerinnen untergebracht gewesen.