Von der Science-Fiction-Serie “Murderbot” bis zur schwarzhumorigen Friedhofs-Farce “Drunter und drüber” – Ein Blick auf neue Serien quer durch Streamingdienste und Mediatheken im Mai.
Bei Apple TV+ erlangt in “Murderbot” ein Android Bewusstsein und freien Willen, bei Arte schaut die lettische Serie “Sowjet Jeans” zurück in die 1970er-Jahre, bei Netflix nimmt in der Krimiserie “Dept. Q” ein Sonderdezernat in Edinburgh seine Ermittlungen auf, und bei Amazon Prime herrscht in “Drunter und drüber” Chaos auf einem Friedhof: Auch im Mai gibt es interessante Neustarts bei Streamingdiensten und Mediatheken.
Wenn die Maschinen ein eigenes Bewusstsein entwickeln, ist das der Anfang vom Ende für die Menschheit! So malen es Science-Fiction-Filme und Dystopie-Spektakel von “2001 – Odyssee im Weltraum” über “Terminator” und “Matrix” bis hin zu “Mission Impossible: Death Reckoning” immer wieder aus, in denen fiese künstliche Intelligenzen zerstörerisch nach der Macht greifen.
Aber es geht auch anders. In , einer Serienverfilmung der “Killerbot”-Romanreihe von US-Schriftstellerin Martha Wells, hat ein Roboter zwar sein eigenes System gehackt und erlangt ein eigenständiges Bewusstsein und freien Willen, probt nun aber nicht den großen Aufstand gegen die Menschen, sondern versucht lediglich, seine “Fehlfunktion” geheim zu halten und in Ruhe gelassen zu werden.
Der in der Adaption von Alexander Skarsgard verkörperte Maschinenmann macht dem martialischen Titel zwar insofern Ehre, dass er als Security Bot für die Sicherheit der Menschen zuständig ist und kampfstark sein muss, um sie auf fremden Planeten vor allerlei außerirdischen Bedrohungen zu schützen. Wenn er nicht gerade gefräßige Aliens eliminiert, ist er aber ein friedlicher Zeitgenosse, der sich am liebsten futuristische Soap Operas reinzieht und über die Conditio humana und den Sinn seines eigenen künstlichen Lebens nachdenkt. Die Brüder Chris und Paul Weitz haben den Stoff adaptiert und mitinszeniert; die Serie startet am 15. Mai bei Apple TV+.
Einen schützenden Security Bot könnte sicher auch Maggie (Lauren Cohan) an ihrer Seite gebrauchen, wenn sie sich in Staffel 2 von (zu sehen ab 5. Mai bei MagentaTV) erneut im isolierten Manhattan gegen Zombie-Horden und die Bande eines skrupellosen Warlords behaupten muss, die ihren Sohn entführt hat. Stattdessen muss sie aber einmal mehr mit ihrem alten Feind Negan (Jeffrey Dean Morgan) Vorlieb nehmen. Dabei wird es in der Fortsetzung der Spin-off-Serie nicht zuletzt darum gehen, ob Negan sich wieder ganz in sein altes, grausam-tyrannisches Ich verwandelt oder ob die von Anfang an auf wackligen Beinen stehende Allianz mit Maggie doch noch nicht endgültig zerbrochen ist.
Statt in Zukunftsszenarien mit Robotern oder Zombies schaut die lettische Serie , zu sehen ab 8. Mai in der Arte-Mediathek, knapp ein halbes Jahrhundert in die Vergangenheit zurück: angesiedelt im Riga der späten 1970er-Jahre, kreist sie um jene Phase, in der sich in den baltischen Ländern zunehmend der Unmut gegenüber dem Sowjet-Regime Bahn brach, die Wende aber noch fern war. Im Mittelpunkt steht ein rebellischer junger Mann, der wie viele andere ein Fallen des Eisernen Vorhangs herbeisehnt und dann in die Mühlen des Regimes gerät: Er wird aus politischen Gründen in die Psychiatrie eingewiesen – doch auch da erlischt der Widerstandswille nicht.
Ebenfalls in der Arte-Mediathek ist ab 1. Mai eine der besten Comedy-Serien der letzten Jahre zu sehen: die US-Sitcom von und mit Ramy Youssef, die kongenial um den Identitäts-Eiertanz eines jungen amerikanischen Muslims aus ägyptisch-stämmiger Familie kreist. Titelheld Ramy ringt von Episode zu Episode in jeweils unterschiedlichen Kontexten damit, seinen Glauben, die Ansprüche seiner konservativen Familie und der islamischen Community, die Zuschreibungen und Erwartungen seiner nicht-muslimischen Bekannten und seine Selbstentfaltungswünsche als lebenslustiger Millennial in New Jersey irgendwie unter einen Hut zu bekommen.
Dabei entfaltet die Serie nicht nur reichlich Humor, sondern lässt sich durchaus substanziell und vielschichtig auf die Herausforderungen eines interkulturellen Alltags ein. In der Arte-Mediathek stehen alle drei Staffeln der erstmals 2019 gestarteten Serie zur Verfügung.
Bei Netflix wird es derweil mörderisch: Ab 29. Mai ermittelt der britische Schauspieler Matthew Goode als Leiter des , eines Sonderdezernats in Edinburgh, das alte Fälle neu aufrollt. Die von Scott Frank als Showrunner betreute Serie ist eine Adaption von Jussi Adler-Olsens Carl-Morck-Romanen, die die Handlung von Dänemark nach Großbritannien verlegt. Frank, der lange Jahre lediglich als Drehbuchautor und hochbezahlter Script-Doctor tätig war, hat sich in den letzten Jahren mit den Serienprojekten “Godless” und “Das Damengambit”, die er auch selbst inszeniert hat, einen guten Namen gemacht und nun auch für “Dept. Q” wieder selbst auf dem Regiestuhl Platz genommen.
Reichlich Todesfälle erwarten die Serienzuschauer nicht nur in dieser neuen Krimiserie, sondern auch im neuen österreichischen Amazon-Original (zu sehen ab 9. Mai). Allerdings geht es darin nicht um Mord und Totschlag (zumindest nicht nur!), sondern auf schwarzhumorige Weise um das Treiben auf einem Friedhof, auf dem es Turbulenzen gibt, als der Friedhofsleiter bei einem Unfall verstirbt. Ein altgedienter Mitarbeiter, der hofft, den nun freien Chefposten übernehmen zu können, ist bitter enttäuscht, als ihm stattdessen eine Frau als neue Vorgesetzte vorgezogen wird, und zettelt einen Kleinkrieg mit ihr an, zum Leidwesen der Lebenden und zum Amüsement der Toten. Nicholas Ofczarek und Julia Jentsch verkörpern die beiden Streithähne.
– ab 1. Mai: Ramy – Staffel 1-3 (Arte-Mediathek) / The Four Seasons (Netflix)
– ab 3. Mai: Paris Has Fallen (ZDF-Mediathek)
– ab 5. Mai: The Walking Dead: Dead City – Staffel 2 (Magenta TV)
– ab 8. Mai: Forever (Netflix) / Sowjet Jeans (Arte/Arte-Mediathek)
– ab 9. Mai: Drunter und drüber (Amazon Prime)
– ab 15. Mai: Frieden (Arte/Arte-Mediathek) / Love, Death& Robots – Staffel 4 (Netflix) / Murderbot (Apple TV+) / Das Nazi-Kartell (Doku; Sky/WOW) / Secrets We Keep (Netflix) / Unter Kontrolle (Arte-Mediathek; ab 22. Mai bei Arte)
-ab 17. Mai: Matlock (Sky/WOW)
– ab 22. Mai: Nine Perfect Strangers – Staffel 2 (Amazon Prime) / Sirens (Netflix)
– ab 29. Mai: Dept. Q (Netflix) / The Better Sister (Amazon Prime)
– ab 30. Mai: Mobland (Paramount+)