Ganz besondere Klänge lassen sich der neuen Orgel in der Kirche Sankt Remigius in Schleching im Chiemgau entlocken: Kuhglockengeläut und Alphornklänge. Das dürfte einzigartig sein.
Das Bergsteigerdorf Schleching im Chiemgau hat eine neue Attraktion: eine Orgel für die katholische Pfarrkirche Sankt Remigius mit Registern für Kuhglockengeläut und Alphornklänge. Über das am Sonntag in einem Festgottesdienst geweihte, neue Instrument berichtet der Bayerische Rundfunk (BR) in seiner Hörfunksendung “Glauben/Zweifeln/Leben”. Viele Orgeln seien mit eigenen Spielereien ausgestattet, wie Glocken für Weihnachten oder Vogelgezwitscher, die über die Klaviatur gespielt werden könnten, heißt es darin. Doch die Töne des Schlechinger Instruments dürften einzigartig sein.
Die Idee dazu sei den Schlechingern laut dem Hörfunkbeitrag nach einem Rechtsstreit gekommen, der sich vor einigen Jahren abgespielt hat. So sei im bayerischen Oberland eine Bäuerin von zugereisten Nachbarn verklagt worden, weil sie sich am Kuhglocken-Gebimmel gestört hätten. Das Gericht entschied jedoch, dass die Bäuerin ihren Kühen weiter die Glocken umhängen dürfe. Einen solchen Klang wollten die Schlechinger auch für ihre neue Orgel haben. Über zehn Jahre lang wurde gesammelt, dann ein Auftrag erteilt. Die Kosten für das in rund 4.000 Arbeitsstunden entstandene Instrument betrugen demnach 270.000 Euro.
Orgelbauer Uli Skriwan von der Firma Linder aus Nußdorf war dem BR-Bericht zufolge etwas überrascht von den Sonderwünschen: “Wir Orgelbauer haben eigentlich immer den gleichen Zauberkasten. In den Orgelregistern ist man immer imitatorisch unterwegs. Man macht auch Flöten, Trompeten und Streicher nach. Und für den Klang eines Alphorns ist klar, dass der relativ dunkel und rund sein muss.” Die Kuhglocken seien eingebaut worden und müssten nun mit einem kleinen Hämmerchen angeschlagen werden. Der Sound der Alphörner komme aus den Orgelpfeifen, heißt es in dem Beitrag.