Neue Erkenntnisse zum Grabmal Otto des Großen

Wissenschaftliche Untersuchungen des Grabmals von Kaiser Otto dem Großen (912-973) aus dem Magdeburger Dom erbrachten neue Erkenntnisse zu Material und Herkunft der Deckplatte. Dies teilte das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie (LDA) Sachsen-Anhalt am Mittwoch in Halle (Saale) mit. Bisher sei man davon ausgegangen, dass die etwa 300 Kilogramm schwere antike Grabplatte aus Carrara- oder Cipollino-Marmor aus Italien oder von der griechischen Insel Euböa bestehe.

Doch die Analyse durch „ausgewiesene Spezialistinnen und Spezialisten für die Herkunftsbestimmung antiken Marmors in Wien und Bochum“ kam zu dem überraschenden Ergebnis, „dass es sich eindeutig um Marmor von der Prokonnesos“ handelt, also von der Marmara-Insel in der heutigen Türkei.

Die Sprecherin des LDA, Tomoko Emmerling, ergänzte: „Der prokonnesische Marmor ist weiß und weist streng begrenzte graue Bänder von unterschiedlicher Intensität auf. Die bei der Grabplatte Ottos vorliegende Struktur von eng verfalteten Bändern schräg zur Längsachse wurde wohl erst in der Spätantike (3. bis 5. Jahrhundert n. Chr.) Mode.“

Dieser Marmor sei unter anderem aus der Hagia Sophia in Istanbul, San Marco in Venedig und besonders aus Ravenna bekannt. In der norditalienischen Residenzstadt Ravenna finde man ihn als Wandverkleidung und Bodenbelag sowie in Form von Säulen, erläuterte die Sprecherin. Auf der Marmorplatte vom Magdeburger Kaisergrab sind noch heute Ritzungen zu sehen, die seine ursprüngliche Verwendung als Wandverkleidung gut bestätigen könnten.

Ravenna entwickelte sich in der Spätantike zu einer wichtigen Residenzstadt. Berühmt sind ihre Kirchen und Paläste mit reichem Mosaikschmuck aus dem 5. bis 7. Jahrhundert. Otto I. kam 951 erstmals nach Ravenna und residierte dort mehrfach für längere Zeit mit seiner zweiten Frau, Adelheid von Burgund. Es kann deshalb „als sehr wahrscheinlich gelten, dass die Grabplatte von dort als Spolie nach Magdeburg gelangte“, sagte Tomoko Emmerling vom LDA.

Durch die Wiederbelebung des römischen Kaisertums legte Otto I. den Grundstein für das spätere Heilige Römische Reich des Mittelalters. Dies machte ihn zu einer zentralen Figur der europäischen Geschichte. „Sein Grabmal im Magdeburger Dom ist daher über die Landesgrenzen Sachsen-Anhalts hinaus ein Denkmal von erheblichem kulturhistorischen Wert“, ergänzte Emmerling.

Gegenwärtig laufen die konservatorischen Arbeiten zur Stabilisierung des originalen Steinsarkophags des Kaisers aus dem 10. Jahrhundert. Vom LDA hieß es dazu: „Sowohl der Inhalt des in dem Sarkophag angetroffenen Holzsarges als auch der steinerne Kasten selbst werden zurzeit mit modernsten Methoden und in Zusammenarbeit mit renommierten nationalen und internationalen Institutionen und Forschern untersucht.“ Die Wiederbeisetzung der sterblichen Überreste des Kaisers im Magdeburger Dom sei im Spätherbst 2026 geplant.

👋 Unser Social Media