Die Klimaaktivistin Luisa Neubauer hat dazu aufgerufen, trotz Klimakrise, Kriegen und Hungersnöten den Mut nicht zu verlieren. Damit sei nicht nur der „Mut des Loslegens“ gemeint, sagte sie laut Redetext in ihrer Kanzelrede am Freitagabend bei der zentralen Reformationsfeier in Bonn. „Obwohl wir überall auf der Welt mutige Menschen sehen, offensichtlich reicht das noch nicht.“ Angesichts der Verzagtheit der Menschen in der Welt müsse das Verständnis von Mut radikal erweitert werden.
Nötig sei zunächst der Mut, bei sich selbst anzukommen, sagte Neubauer weiter: „Wer nicht in sich hinein hört, aus Angst vor den eigenen Ängsten, der sieht höchstwahrscheinlich auch nicht, welche großen Kräfte in uns nur darauf warten, eingesetzt zu werden.“ Weiter brauche es Mut, die Welt zu sehen und genau hinzuschauen. „Wer heute in die Welt blickt, sieht nicht nur einen ökologischen Kollaps, sondern Menschen, die ihn ununterbrochen kleinreden oder gar vorantreiben“, beklagte die Gastpredigerin in der Bonner Kreuzkirche. Den Mut zu haben, in die Welt zu schauen, heiße aber auch, unerwartete positive Überraschungen zu sehen.
Als nächstes folge der Mut der Loslegens, sich auf den Weg zu machen, „in die beste verfügbare Richtung“, auch wenn das Ziel noch längst nicht in Sicht sei. Schließlich sei Mut nötig, standhaft zu bleiben und Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen, so wie Martin Luther es nach der Verbreitung seiner Thesen getan habe, fuhr Neubauer fort. „Diesen Mut brauchen Regierungschefs, wenn Absagen an Rechtsaußen auch dann durchgezogen werden müssen, wenn es unbequem wird.“ Diesen Mut brauchten auch Konzerne, die im Begriff seien, ihre Nachhaltigkeitsziele mit Blick über den Atlantik leise rückabzuwickeln. „Dieser Mut ist von uns gefragt, auch dann Haltung zu zeigen, wenn niemand hinsieht, wenn die Hände zittern.“
Am 31. Oktober erinnern evangelische Kirchen weltweit an den Anfang der Reformation 1517 und Martin Luthers Thesenanschlag gegen den Ablass an die Schlosskirche in Wittenberg. Die Reformationsfeier in Bonn stand unter dem Motto „Nur Mut!“.