Nachwuchswissenschaftler der Universität Göttingen wollen neue Behandlungsansätze bei Depressionen erforschen. Die Gruppe am „European Neuroschience Institute“ befasse sich mit dem Hormon Leptin und seiner Rolle bei der Regulierung des Sozial- und Sexualverhaltens, teilte die Universitätsmedizin Göttingen am Donnerstag mit. Die Erkenntnisse könnten dazu beitragen, neue Therapieansätze zu entwickeln.
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert das Projekt über sechs Jahre mit zwei Millionen Euro aus ihrem Emmy-Noether-Programm, wie es hieß. Leptin, das hauptsächlich im Fettgewebe gebildet werde, spiele eine wichtige Rolle bei der Regulierung des Körpergewichts und des Hungergefühls. „Es beeinflusst zudem Gefühle, Motivation und sogar das Sozial- und Sexualverhalten“, erläuterte die Neurowissenschaftlerin Anne Petzold als Leiterin der Arbeitsgruppe.
Erste Studien am Tiermodell zeigen den Angaben zufolge, dass Leptin bestimmte Nervenzellen im Gehirn aktiviert, die für soziales Verhalten verantwortlich sind. Bei Menschen mit Depression sei die Leptin-Ausschüttung oft gestört. Die Forschenden wollen einzelne Nervenzellen in tiefen Hirnregionen untersuchen, um am Ende herauszufinden, ob eine Erhöhung des Leptinspiegels das soziale und sexuelle Wohlbefinden sowohl unter gesunden als auch unter krankhaften Bedingungen verbessern kann.
Das Emmy-Noether-Programm unterstützt herausragend qualifizierte Wissenschaftler in der frühen Karrierephase. Es ist benannt nach der Mathematikerin Emmy Noether (1882-1935).