Es geht um Socken und den Vorwurf der Blasphemie: Der Aufdruck “Allah” auf Strümpfen bringt Muslime in Malaysia in Rage. Der Einfluss des politischen Islam in dem südostasiatischen Land nimmt zu.
Nach mutmaßlich islamistischen Anschlägen auf Filialen einer Supermarktkette warnt Malaysias Regierung vor gesellschaftlichen Spannungen in dem multireligiösen und multiethnischen Land. Die Minister für Einheit und Religion, Aaron Ago Dagang und Na’im Mokhtar, riefen am Dienstag in einer gemeinsamen Erklärung die Bürger auf, nicht wieder die “Rassenpolemik” der Vergangenheit zu schüren, wie die staatliche Nachrichtenagentur Bernama berichtete.
Am vergangenen Sonntag wurde eine KK-Mart-Filiale in Kuching mit einem Molotowcocktail angegriffen. Es war der dritte derartige Angriff auf die Supermarktkette innerhalb einer Woche. Mit den Gewaltakten reagierten die Täter laut Medienberichten mutmaßlich auf den Verkauf von Socken mit dem Aufdruck “Allah”, das arabische Wort für “Gott”, in einigen Filialen. Die Socken sind ein Importprodukt aus China.
Die beiden Minister hätten eine Dringlichkeitssitzung des “Komitees für religiöse Harmonie” mit Vertretern aller Religionen des mehrheitlich islamischen Malaysia angekündigt, hieß es. Rund 60 Prozent der Malaysier sind muslimische Malaien, während die anderen 40 Prozent meist chinesische und indische Vorfahren haben.
Nach Protesten islamischer Gruppen in den Sozialen Medien nahm KK Mart schon Mitte März die Allah-Socken aus dem Sortiment und entschuldigte sich für eine Verletzung der religiösen Gefühle von Muslimen. Trotzdem rief die Jugendorganisation der nationalistischen UMNO als Partei der Bevölkerungsmehrheit der muslimischen Malaien zum Boykott der Kette auf. Die UMNO ist Juniorpartner in der multireligiösen und -ethnischen Koalition von Premier Anwar Ibrahim. Bei der Parlamentswahl 2022 wurde die islamistische Partei PAS größte Oppositionskraft.
Im Islam ist das arabische Wort “Allah” der heilige Begriff für Gott. Mehr als 30 Jahre waren die Christen Malaysias unter juristischem und politischem Druck, nachdem das Innenministerium 1986 ihnen die Verwendung von “Allah” als Bezeichnung für Gott verboten hatte. Im Mai 2023 verzichtete die Regierung dann auf Berufung gegen einen Gerichtsentscheid, der Christen den Gebrauch des Wortes “Allah” gestattet hatte. Der Richter hatte das Verbot “irrational” genannt, weil die Christen in den Bundesstaaten Sabah und Sarawak “Allah” seit Hunderten von Jahren in ihrer Kirche verwendet hätten. Die Mehrheit der malaysischen Christen lebt in diesen beiden Bundesstaaten auf Borneo.