Rassismus? Kein Randthema mehr. Nach rassistischen Anfeindungen und einer Anzeige verließ ein Pfarrer seine Gemeinde. Sein Fall zeigt: Jeder Einzelne wäre gefordert.
Pfarrer Égide Muziazia, der vor gut einem Jahr wegen rassistischer Beleidigungen und Übergriffe an die Öffentlichkeit gegangen war, beklagt einen aus seiner Sicht erkennbaren Wandel in der Gesellschaft: “Rassismus ist längst kein Randphänomen mehr, sondern eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung”, sagte er am Mittwoch in einem Beitrag im Deutschlandfunk. Dieser Herausforderung sei auch die Kirche ausgesetzt.
Muziazia leitete seit 2023 die Pfarrei Sankt Vitus im niederrheinischen Emmerich-Elten, bis er dort mehrfach angefeindet und schließlich im April 2024 auf der Straße rassistisch beleidigt und bespuckt wurde. “Als ich dann festgestellt habe, dass es wirklich Rassismus ist, habe ich auch eine Anzeige erstattet”, berichtete Muziazia. Inzwischen wurde der damals 26 Jahre alte Täter zu einer Geldstrafe von 2.000 Euro – 40 Tagessätze zu je 50 Euro – verurteilt, aber ohne öffentliches Verfahren. Noch im Sommer hatte der Geistliche allerdings die Information erhalten, das Verfahren sei eingestellt worden.
Mehr als ein Jahr, nachdem er seinen Fall öffentlich gemacht hatte, ist Muziazia froh über diesen Schritt. Der promovierte katholische Theologe, der aus dem Kongo stammt, lebt schon seit fast 20 Jahren in Deutschland. Während seiner Zeit in der Nähe von Bonn habe er nie Rassismus erfahren, berichtete er.
Ein Freund Muziazias, der aus Nigeria stammende Pfarrer Thaddeus Eze, ergänzte im Radiobeitrag, ihn habe besonders geschockt, dass viele Menschen in Muziazias Gemeinde nicht für ihn eingetreten seien. “Ja, viele hatten Angst. Angst vor diesen Leuten, das ist das Problem. Die schweigende Mehrheit”, sagt Eze. Die Mehrheit sei zwar auf der Seite Muziazias gewesen, habe aber geschwiegen. Immerhin seien zu einer Demonstration auf dem Eltener Markt rund 500 Menschen gekommen, um ihre Solidarität mit dem Pfarrer zu zeigen.
Égide Muziazia ist nach seinen Erfahrungen in Emmerich in eine Gemeinde im Außenbezirk von Münster gewechselt. Dort gefalle es ihm. Er sei Mitglied im Schützenverein und fühle sich schon nach kurzer Zeit gut integriert. Gut getan habe ihm in der schweren Zeit die große Unterstützung durch das Bistum Münster.