Wer Vögeln im Winter etwas Gutes tun möchte, füttert sie. Aber was mögen Amsel und Rotkehlchen überhaupt? Naturschützer warnen vor schlechtem Billigfutter und geben Tipps.
6. Jan 2026·1 Minute Lesezeit
Die "Stunde der Wintervögel" gehört seit 16 Jahren für Tierfreunde und Naturschützer zum festen Ritual am Jahresbeginn - Imago / Zoonar
Bei Schnee und Eis picken hungrige Meisen ins Leere. Wer Vögeln gerade jetzt etwas Gutes tun möchte, stellt Futterhäuser auf, hängt Knödel an Balkongeländer und freut sich über gefiederten Besuch. Laut Naturschutzbund (Nabu) zählt die Vogelfütterung zur beliebtesten Form des Vogelschutzes: Jedes Jahr würden in Deutschland rund 15 bis 20 Millionen Euro für Vogelfutter ausgegeben. „Aber nicht jedes Futter ist gut“, warnt der Biologe Thomas Behrends vom Nabu Schleswig-Holstein. Billige Mischungen enthalten oft Getreide, das Singvögel gar nicht mögen. „Bei Getreide sind Ratten schneller im Futterhaus als Vögel“, sagt der Nabu-Naturschutzreferent dem Evangelischen Pressedienst (epd).
Vogelfutter-Tipp: Sonnenblumenkerne
Für die Vogelfütterung sei hochwertiges Futter entscheidend. Behrends' Tipp sind Sonnenblumenkerne: „Sie sind günstig und werden von fast allen Vogelarten gefressen“, sagt Behrends. Ein absolutes No-Go seien dagegen altes Brot und Krümel. Neben Hilfe für hungrige Vogelbäuche biete die Winterfütterung positive Naturerlebnisse. „An Futterstellen lassen sich Vögel aus nächster Nähe beobachten, dabei lernen Kinder die verschiedenen Arten kennen“, freut sich der Naturschützer.
Mit Körnerfutter lassen sich gezielt Körnerfresser wie Buchfink, Dompfaff und Spatz anlocken. Weichfutterfresser wie Amsel, Rotkehlchen, Zaunkönig und Star freuen sich über Haferflocken, Apfelstückchen, Rosinen oder getrocknete Wildbeeren. Für Allesfresser wie Meisen sind Meisenknödel, -ringe und Drahtbehälter mit Nüssen geeignet. Dabei müsse auf die Qualität geachtet werden: Billige Meisenknödel bestehen teilweise aus schlechten Fetten, die schädlich für die Vögel seien. „Auch Knödel in Plastiknetzen sollte man vermeiden, da sich Vögel verletzen können und vergessene leere Netze die Umwelt verschmutzen“, sagt Behrends. Empfehlenswert seien Meisenknödelhalter aus Metall.
Futtersilos für beste Hygiene
Wichtig beim Vogelfüttern ist auch die Hygiene, betont der Experte. Die sauberste Wahl sei ein Futtersilo, das wie ein Schnellimbiss funktioniert, bei dem Vögel auf Stangen sitzen und nicht im Futter herumlaufen können. „Nüsse, Getreide und Kerne sind im Silo gut geschützt“, sagt der Biologe. In seinem Garten steht ein klassisches Futterhäuschen, das regelmäßig gereinigt werden muss. Behrends: „Der größte Fehler ist, Vogelfutter auf den Boden zu streuen.“ Dies fördere die Ausbreitung von Krankheiten und Seuchen. „Kommt ein kranker Vogel zur Futterstelle, kann er andere infizieren, weil seine Krankheitserreger im Boden bleiben.“
Futterplatz gut wählen
Der beste Platz für einen Futterspender sei eine übersichtliche Stelle, damit Vögel anschleichende Katzen frühzeitig bemerken können. Auch Glasscheiben könnten eine Gefahr darstellen: Daher sollte das Futter entweder mit großem Abstand zu Fenstern oder direkt an der Scheibe platziert werden. So hätten an- und abfliegende Vögel bereits abgebremst beziehungsweise noch nicht richtig beschleunigt.
Die Winterfütterung helfe vor allem Gartenvögeln, zum Schutz gefährdeter Vogelarten trage sie allerdings nicht bei. „Dafür braucht es gezielte Agrarprogramme, Maßnahmen zur Pestizidreduktion oder angepasste Mahd-Termine“, erklärt er. Und wer Vögeln nicht nur im Winter etwas Gutes tun will, sollte seinen Garten oder Balkon naturnah anlegen und auch Nistkästen aufhängen. Behrends: „In Gärten, die nur aus Steinen, Rasen und Kirschlorbeer bestehen, finden Vögel auch im Sommer kein Futter.“