80 Jahre alt und zeitlos aktuell: Von Pippi Langstrumpf kann man auch heute noch lernen, findet die 84-jährige Silke Weitendorf, die als erstes Kind in Deutschland Pippi Langstrumpf kennengelernt hat.
Silke Weitendorf (84), Verlegerin und Übersetzerin, war das erste Kind, das Pippi Langstrumpf in Deutschland gelesen hat. “Meine Mutter hat mir aus dem Manuskript vorgelesen. Dadurch bin ich das erste Kind in Deutschland gewesen, das Pippi Langstrumpf kennengelernt hat. Das habe ich natürlich erst viel später registriert”, sagte Silke Weitendorf, Tochter des Verlegerehepaars Friedrich und Heidi Oetinger, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
Sie sei damals etwa acht Jahre alt gewesen. Gefallen habe ihr die rothaarige Pippi mit den Riesenkräften sofort: “Ich habe dieses Kind angehimmelt, die Pippi, die in einer totalen Unabhängigkeit leben und sich selbst erziehen konnte. Das war, gerade kurz nach dem Krieg, etwas sehr Besonderes, denn es war noch üblich, dass man in Deutschland autoritär erzogen wurde und es patriarchalisch zuging.”
Für die Kinderbuchkennerin Weitendorf, die die Hamburger “Stiftung zur Förderung der Kinderliteratur im Heidi-Oetinger-Haus” gegründet hat, ist eines der wichtigsten Dinge, die mit Pippi verbunden sind, “dass sie sich nicht unterkriegen lässt. Sie hat den Mut, einen eigenen Weg zu gehen. Und sie zeigt, dass man seinen Mitmenschen offen entgegentreten sollte, und dass man dadurch viel zurückgewinnt an wunderbaren Erfahrungen.”
Vor 80 Jahren, am 26. November 1945, erschien “Pippi Langstrumpf” in Schweden – dieses Datum trägt die Widmung des Buches von Astrid Lindgren für ihre Tochter Karin, die einst als Kind von sieben Jahren die Figur erfand. Sie lag an einem Wintertag 1942 krank im Bett, langweilte sich und sagte aus einer Laune heraus zu ihrer Mutter: “Erzähl von Pippi Langstrumpf.” Bis heute hat sich das Buch weltweit 66 Millionen Mal verkauft.