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Motten-Attacke im Museum – Schau in München widmet sich Schädlingen

Motten und andere kleine Tiere bedrohen die Sammlungen von Museen, weil sie sie zum Fressen gern haben. Eine Ausstellung in München informiert nun darüber – auch über den “dramatischsten Fall einer Schädlingsattacke”.

Die Eule sieht aus wie ein arg gerupftes Huhn, der 1.000-Mark-Schein ist gerade noch so als solcher zu erkennen, ganze Buchseiten hingegen wurden aufgefressen: Mit solchen Schäden und ihren Verursachern befasst sich eine neue Ausstellung im Verkehrszentrum des Deutschen Museums in München. Unter dem Titel “Hier nagt nicht nur der Zahn der Zeit” widmet sich die Schau laut Ankündigung vom 16. Januar bis 5. April dem Schädlingsbefall in Sammlungen und zeigt, welch harten Kampf Restauratoren mit Ungeziefer wie Motten ausfechten, um ihre Kollektionen zu schützen. Präsentiert werden demnach echte Schäden sowie Kunst und Fotografien.

Pascal Querner, Biologe und Experte für Museumsschädlinge am Naturhistorischen Museum Wien, der die Ausstellung konzipiert hat, sagt, der Klimawandel spiele für den Schädlingsbefall eine Rolle: “Durch höhere Temperaturen vermehren sich die Tierchen schneller, in historischen Museumsgebäuden bildet sich durch die veränderten Klimabedingungen verstärkt Schimmel.” Museen stünden vor der Herausforderung, Hunderttausende Objekte langfristig vor einem Befall zu bewahren. “Und viele Objekte sind so selten oder gar einzigartig, dass sie nicht ersetzt werden können.”

All das gilt nach eigenen Angaben auch fürs Deutsche Museum in München. Die Leiterin des Verkehrszentrums, Bettina Gundler, sagt: “Tatsächlich ist das Thema gerade auch für uns im Verkehrszentrum wichtig. Seien es Pferdewagen, die vom Holzwurm befallen wurden oder Textilien in Automobilen, die von Kleidermotten gefressen werden.”

Der “dramatischste Fall einer Schädlingsattacke im Deutschen Museum” sei ein Oldtimer der Marke Minerva gewesen, der 2003 von der Museumsinsel ins Verkehrszentrum umzogen sei. “Da haben wir den Kofferraum des Autos aufgemacht, und es kam uns eine ganze Wolke von Motten entgegen”, erzählt Elisabeth Knott, Leiterin der Restaurierungswerkstätten des Deutschen Museums. Motten fräßen jegliche Tierhaare – und damit auch die Polster älterer Autos.

“Die Motten sind tatsächlich der größte Feind unserer Museumssammlung”, fügt Verena Reitz an, die sich um die Schädlingsbekämpfung im Verkehrszentrum kümmert. Motten kämen über Ritzen und Fenster ins Museum, über selten getragene Kleidungsstücke der Besucher, aber auch mit neuen Exponaten. Regelmäßig kontrolliere sie Klebe- und Pheromonfallen, die genau erkennen ließen, ob es gerade mehr Schädlinge gebe. “Gift benutzen wir – mit Rücksicht auf Besucher und Museumspersonal – gar nicht mehr.”

Was hilft stattdessen? Zum Beispiel eine Tiefkühltruhe, denn die Kälte töte die Schädlinge, so das Museum. “Aber man setzt auch Schlupfwespen gegen die ungebetenen Gäste ein – als Museumsnützlinge, die Motten fressen.”