Zwischen Kritik und Glauben: WDR-Moderatorin Yvonne Willicks sieht den Glauben als “Halteseil durchs Leben”. Sie will Missstände in der Kirche von innen heraus verbessern.
Mehr Augenhöhe wünscht sich WDR-Moderatorin Yvonne Willicks von kirchlichen Verantwortungsträgern. Viele Menschen würden ihr komplexer Alltag, ihre Ängste und ihre Sorgen sehr umtreiben: “Und da meine ich, da müsste die Kirche ein bisschen mehr machen”, sagt sie in einer neuen Folge des Podcasts “Himmelklar”.
Mit ihrem eigenen Glauben gehe sie an die Öffentlichkeit, weil sie gemerkt habe, dass die Sehnsucht der Menschen nach Antworten in einer immer komplexer werdenden Welt drängender würde. Unter den vielen angebotenen Antwortmöglichkeiten wolle sie zeigen, dass auch die katholische Kirche Antworten gebe: “Man kann auch mal sagen, dass man Zusammengehörigkeitsgefühl sehr, sehr toll auf Libori erleben kann. Oder wenn hier im Dom Wallfahrt ist und man unter dem Dreikönigsschrein hergehen darf und so weiter. Ich wollte das den Leuten einfach mal anbieten”, sagt Willicks.
Viele Menschen seien mit christlichen Werten und Traditionen groß geworden. Das sei heute “ein bisschen verschüttet”. Wenn sie selbst nun darüber rede, erinnere man sich wieder an das Gute und Segensreiche des Glaubens.
Willicks erklärt, sie könne wegen Missbrauchsskandal und Vertuschung in der Kirche gut nachvollziehen, wenn viele mit der katholischen Kirche nichts mehr zu tun haben wollten. Wegen der Rolle der Frau in der Kirche werde sie auch schonmal gefragt, wie sie da überhaupt noch hingehen könne. “Aber ich war immer jemand, der versucht hat, wenn ich einen Missstand gesehen habe, die Sache von innen mit aufzulösen und es besser zu machen.” Deswegen habe sie sich jetzt auch für eine zweite Amtszeit im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), dem höchsten repräsentativen Gremium des deutschen Laien-Katholizismus, wählen lassen.
Der Glaube sei aus ihrer Sicht wichtig und erhaltenswert. Man könne sich nicht aus jeder Religion und Strömung für sich das Passende heraussuchen. Es sei wichtig, dass man sich an jemandem reiben könne, um seinen eigenen Standpunkt zu festigen. Wenn man nur “sein eigenes Süppchen” koche, erlebe man keine Gemeinschaft. Das Wissen: “Egal, wie unterschiedlich wir sind, wir glauben am Ende an das Gleiche”, sei “etwas unheimlich Verbindendes”.
Willicks erzählt, als Tochter einer evangelischen Mutter und eines katholischen Vaters sei sie zunächst nicht getauft worden. Weil sie sich das Wort “evangelisch” nicht habe merken können, habe sie in der Schule gesagt, sie wolle – anders als mit den Eltern besprochen – den katholischen Gottesdienst besuchen. Schulgottesdienst und Pfarrer hätten sie so fasziniert, dass sie zunächst ihre Schwester und später auch ihre Eltern überzeugt habe, mit ihr in die katholische Kirche zu kommen.
Sie habe ihren Glauben immer wieder kritisch hinterfragt. Doch er sei “ein Halteseil, was mich durchs Leben trägt”. Er sei auch ein Grund für ihren Optimismus. Ein theologisches Grundseminar im Bistum Münster habe sie letztlich darin bestärkt, bei ihrem intuitiven Glauben zu bleiben. Denn: “Alles Hinterfragen hat nicht dazu geführt, dass ich nicht daran glaube, dass wir getragen und behütet und geführt durchs Leben gehen. Und dass es da auch noch mehr gibt, als unser eigenes Ich”, erklärt Willicks.