Predigttext
1 Hiob antwortete und sprach: 2 Auch heute lehnt sich meine Klage auf; seine Hand drückt schwer, dass ich seufzen muss. 3 Ach dass ich wüsste, wie ich ihn finden und zu seiner Stätte kommen könnte! 4 So würde ich ihm das Recht darlegen und meinen Mund mit Beweisen füllen 5 und erfahren die Reden, die er mir antworten, und vernehmen, was er mir sagen würde. 6 Würde er mit großer Macht mit mir rechten? Nein, er selbst würde achthaben auf mich. 7 Dort würde ein Redlicher mit ihm rechten, und für immer würde ich entrinnen meinem Richter! 8 Aber gehe ich nach Osten, so ist er nicht da; gehe ich nach Westen, so spüre ich ihn nicht. 9 Wirkt er im Norden, so schaue ich ihn nicht; verbirgt er sich im Süden, so sehe ich ihn nicht. 10 Er aber kennt meinen Weg gut. Er prüfe mich, so will ich befunden werden wie das Gold. 11 Denn ich hielt meinen Fuß auf seiner Bahn und bewahrte seinen Weg und wich nicht ab 12 und übertrat nicht das Gebot seiner Lippen und bewahrte die Reden seines Mundes bei mir. 13 Doch er hat‘s beschlossen, wer will ihm wehren? Und er macht‘s, wie er will. 14 Ja, er wird vollenden, was mir bestimmt ist, und hat noch mehr derart im Sinn. 15 Darum erschrecke ich vor seinem Angesicht, und wenn ich darüber nachdenke, so fürchte ich mich vor ihm. 16 Gott ist‘s, der mein Herz mutlos gemacht, und der Allmächtige, der mich erschreckt hat; 17 denn nicht der Finsternis wegen muss ich schweigen, und nicht, weil Dunkel mein Angesicht deckt.
Es tut mir sehr leid“, sagt der Arzt. „Aber Ihr Kind wird behindert sein. Der Junge hat das Down-Syndrom.“ Pia und Sven sind wie vor den Kopf geschlagen. „Er wird trotzdem ein fröhliches Kind sein“, versucht der Arzt sie zu trösten. „Aber Sie müssen sich darauf einstellen, dass er sich etwas anders entwickelt.“ Pia sackt in sich zusammen. „Warum ausgerechnet wir? Es ist so ungerecht.“
Solche und andere „Hiobsbotschaften“ können Menschen aus der Bahn werfen. Häufig kommt dann die Frage: „Warum passiert ausgerechnet uns dieses Unglück?“ Menschen suchen nach Erklärungen für das, was sie nicht fassen können. Unschuldiges Leiden und der Glaube an Gottes Güte – wie passt das zusammen? Sagt nicht die Bibel, dass den Gerechten Glück und Segen widerfährt?
Leid und Güte – wie passt das zusammen?
So dachte auch Hiob. Er war fromm und hielt sich an Gottes Gebote. Hatte ein gutes Herz. Kümmerte sich vorbildlich um seine Familie. Brachte es zu großem Wohlstand. Und war rundum gesund. So lebte er in der festen Gewissheit: Ich verhalte mich gut und anständig – und deshalb beschenkt Gott mich mit Glück und Segen.
Zwischen ihrem Verhalten und ihrem Ergehen sehen Menschen auch heute oft noch einen direkten Zusammenhang: Wenn ich mich gesund ernähre und ausreichend bewege, bleibe ich gesund. Wenn ich alles perfekt einstiele, habe ich Erfolg. Und manche religiös geprägten Menschen denken: Wenn ich nur fest genug glaube, wird Gott mich vor allem Unglück bewahren.
Doch die Wirklichkeit sieht oft anders aus. Auch die immer gesund gelebt haben, können krank werden. Auch die Gott vertraut haben, erleben Schicksalsschläge. Es passieren auf dieser Welt schreckliche Dinge, für die es keine Erklärung gibt.
Nicht erst im Neuen Testament, sondern bereits im Buch Hiob wird die Vorstellung, dass Gott es grundsätzlich den Gerechten gut gehen lässt und die Bösen mit Unheil bestraft, in Frage gestellt. Hiobs Freunde wollen ihm einreden, dass er mit all seinem Unglück für ein geheimes Vergehen bestraft wird. Doch er wehrt sich gegen diese Unterstellung. Auf keinen Fall will er sich einreden lassen, dass sein Unglück an seinem Verhalten liegt. Darum hadert er mit Gott und kann ihn nicht verstehen. Aber er sucht weiter die Verbindung mit ihm. Er lässt nicht nach, ihn zu bestürmen und will sich vor ihm rechtfertigen. Schließlich jedoch akzeptiert er Gottes souveränes Handeln.
Seine Freunde reden theoretisch über Gott. Hiob redet mit Gott. Hält auch im Leid an ihm fest. Dabei verändert sich allmählich seine Beziehung zu Gott. Er weiß, dass er keine schlüssige Antwort bekommt. Aber er erfährt, dass Gott auch in seinem Leiden bei ihm ist und am Ende sein Geschick wenden wird (Hiob 42, 10f.).
In der Leidensgeschichte Jesu wird das noch deutlicher: Gottes Antwort auf das Leiden der Menschen ist sein eigenes Leiden in seinem Sohn Jesus Christus. Da zeigt uns Gott endgültig, wo er steht: Auf der Seite der Leidenden. Das kann uns trösten und helfen, ihm auch in schweren Zeiten zu vertrauen.
