Bischof Bertram Meier hat sich erstmals zur Ende Oktober veröffentlichten „Studie zum sexuellen Missbrauch im Bistum Augsburg“ geäußert – und sich betroffen gezeigt. „Auch wenn es inzwischen häufig thematisiert werden musste, dass Geistliche durch sexualisierte Gewalt viel Leid über Kinder und Jugendliche gebracht haben, packte mich das Entsetzen beim Lesen dieser Vorfälle“, teilte er am Donnerstag mit. „Ich musste die Studie mehrfach aus der Hand legen.“ Viel zu oft sei mit den Vorfällen völlig unangemessen umgegangen worden.
Die Unabhängige Aufarbeitungskommission im Bistum (UAKA) hatte am 30. Oktober ihre selbst erarbeitete, 206 Seiten starke Studie vorgestellt und Bischof Meier übergeben. Die Studie ergab, dass Verantwortungsträger im Bistum Augsburg über Jahrzehnte nicht angemessen auf Hinweise auf sexuellen Missbrauch reagiert haben. Bischof Meier selbst wurde kein Versagen zur Last gelegt. Die Studie war dem Bischof vorab nicht bekannt, dementsprechend wollte er sich inhaltlich dazu erst nach eingehender Lektüre äußern.
Es sei ihm ein „tief empfundenes Anliegen“, sich zuallererst an die Betroffenen zu wenden, sagte Meier. „Ihr Leid geht mir sehr zu Herzen, und die schwere Schuld des Bistums Augsburg Ihnen gegenüber lastet mir auf der Seele.“ Schon der erste Teil der Studie gebe ihm genügend Anlass, „mit verschiedenen Mitarbeitenden und Gremien in Beratungen zu gehen“. Dabei sollen Fragen geklärt werden, wie Kleriker besser begleitet werden können, ob die Kontrollinstanzen funktionieren und wie mit dem auffallend häufigen Tatort „Privatwohnung des Priesters“ umgegangen werden soll. „Auch der ungewöhnlich hohe Anteil von männlichen Betroffenen wirft Fragen auf.“
Die UAKA hatte für ihre Studie den Datenbestand fürs Bistum Augsburg der bundesweiten MHG-Studie von 2018 herangezogen und dabei einen besonderen Fokus auf die Verantwortlichkeiten gelegt. (3666/20.11.2025)