Zum vierten Jahrestag des russischen Angriffs auf die Ukraine hat der evangelische Militärbischof Bernhard Felmberg dazu aufgerufen, Gerechtigkeit und Sicherheit als Friedensgrundlage nicht aus dem Blick zu verlieren. Ein Diktatfrieden, der auf Unterdrückung und Angst basiere, sei „die Friedhofsruhe der Tyrannei“, sagte er laut Manuskript in einer Predigt in Potsdam. Wer mit einem solchen vermeintlichen Frieden Unrecht zementiere, schaffe keinen Frieden, sondern vertage nur den nächsten Krieg.
Felmberg betonte, Müdigkeit und Erschöpfung angesichts der anhaltenden Gewalt seien groß. Die Sehnsucht, dass es einfach vorbei sein möge, sei übermächtig geworden. „Wir sehnen uns nach Ruhe“, erklärte er: „Wir sehnen uns nach Normalität.“ Damit drohe jedoch ein „falscher Friede“. Dies wäre ein „Zustand, den wir 'Frieden' nennen, nur weil die Waffen schweigen, während das Unrecht zum Himmel schreit“.
Militärbischof Felmberg: Hinschauen, auch wenn es schmerzt
Denjenigen müsse der Rücken gestärkt werden, die das Recht verteidigen, politisch, humanitär und auch militärisch, betonte der Theologe: „Wir dürfen das Feld nicht denen überlassen, die herrschen wollen durch Gewalt und Unterdrückung.“ Es müsse der Versuchung widerstanden werden, „wegzuschauen, nur weil das Hinschauen schmerzt und müde macht“.
Felmberg betonte, militärische Gewalt könne das Schlimmste verhindern, jedoch keine paradiesischen Zustände schaffen. Notwendig sei ein „christlicher Realismus“, der vor naiver Utopie ebenso bewahre wie vor zynischer Resignation. Zugleich dürfe nicht vergessen werden, dass auch in einem gerechten Kampf der Feind ein Mensch bleibe.
