Ab Sommer 2026 soll stufenweise das Recht auf Ganztagsbetreuung in den Grundschulen kommen. Eigentlich – denn noch fehlen in vielen Bundesländern Plätze für die zu betreuenden Kinder.
Ab dem kommenden Sommer gilt in Deutschland der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung. Laut Recherchen des “Spiegels” drohen aber viele Kinder und deren Familien vor allem in den westdeutschen Bundesländern leer auszugehen. Die Journalisten berufen sich auf einen Bericht des Bundesfamilienministeriums, der an diesem Mittwoch im Kabinett beschlossen werden soll. Demnach fehlen bundesweit aktuell noch 166.000 Plätze.
Der Mangel sei allerdings ungleich verteilt, hieß es. Die ostdeutschen Bundesländer und Hamburg könnten laut Bericht voraussichtlich alle Betreuungswünsche der Eltern erfüllen; in manchen Gegenden Ostdeutschlands würden künftig wahrscheinlich sogar Plätze frei bleiben.
Anders sehe die Situation in den westdeutschen Flächenländern aus: Baden-Württemberg müsste 32.000 zusätzliche Ganztags-Plätze in den kommenden neun Monaten schaffen. In Bayern fehlten derzeit noch 42.000 Plätze, in Hessen 15.000, in Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein jeweils 8.000.
Am größten ist die Lücke den Angaben zufolge in Nordrhein-Westfalen. Dort gibt es nach den Berechnungen des Bundesfamilienministeriums momentan 47.000 Betreuungsplätze zu wenig.
Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) nannte es erfreulich, dass der Bericht “einen deutlichen Anstieg des Platzangebots” zeige. Um die Lücke zu schließen, “müssen wir – Bund, Länder und Kommunen – gemeinsam den Ausbau weiter vorantreiben und kindgerechte Ganztagsplätze schaffen”. Im Ganztag liege “eine große Chance, um Kinder unabhängig vom Hintergrund ihrer Eltern zum Bildungserfolg zu führen”. Zugleich gehe es darum, “die Vereinbarkeit von Familie und Beruf – vor allem für Mütter – zu verbessern”.
Der Rechtsanspruch gilt ab dem 1. August 2026 zunächst für die Kinder in den ersten Klassen und wird danach jährlich um je einen Jahrgang ausgeweitet. Ab dem Schuljahr 2029/2030 gilt der Rechtsanspruch dann für alle Kinder in den Klassenstufen eins bis vier.