Frühling für depressive Menschen oft schwerste Zeit

Der Frühling kommt. Sonne, Vogelgezwitscher und sprießende Blumen lassen die Stimmung steigen – allerdings nicht bei allen Menschen. Depressiv Erkrankte leiden derzeit oft sogar mehr als im Winter.
Frühling für depressive Menschen oft schwerste Zeit
Veränderungen im Hormonhaushalt und Schlafrhythmus belasten Depressive besonders im Frühling
Imago/YAY Images

Einfach mal Sonne tanken? Für depressiv erkrankte Menschen ist das kein hilfreicher Ratschlag, sagt die Ärztin der Kaufmännischen Krankenkasse, Aileen Könitz. "Die ständigen Aufforderungen von Freunden und Familie, rausgehen zu müssen, und das Unverständnis, wenn das nicht gelingt, können eher belasten, zu Versagens- und Schuldgefühlen führen. Dieser soziale Erwartungsdruck kann eine Depression sogar noch verstärken."

Depression im Wandel der Jahreszeit

Für viele Betroffene sei der beginnende Frühling die schwerste Zeit des Jahres, warnt die Krankenkasse. Sie litten im Frühjahr häufig mehr unter der Umstellung des Hormonhaushalts im Körper. "Insbesondere die Veränderungen im Melatonin- und Serotoninhaushalt können bei empfindlichen Menschen das Gleichgewicht im Gehirn beeinflussen und die Symptome einer Depression intensivieren", sagt die Expertin für psychiatrische Fragen. Viele fühlten sich besonders antriebslos und schlapp, litten zudem häufiger unter Kreislaufschwäche.

Auch die Umstellung auf längere Tage und kürzere Nächte setze depressiven Menschen mehr zu als Gesunden: Die zunehmende Helligkeit könne die innere Uhr beeinflussen und den Schlaf-Wach-Rhythmus vorübergehend aus dem Gleichgewicht bringen. Dadurch könnten Schlafstörungen auftreten, die die Stimmung weiter verschlechtern. Medizinerin Könitz rät Betroffenen deshalb, besonders in dieser Umbruchphase des Jahres für einen guten Schlaf zu sorgen, etwa das Zimmer ausreichend zu verdunkeln oder auch eine Schlafmaske zu tragen. In diesem Jahr wird die Uhr in der Nacht vom 29. auf den 30. März umgestellt.

Depression: Medizinerin warnt vor verfestigten Formen

Die Zahl der KKH-Versicherten mit wiederkehrender Depression ist laut Angaben in den vergangenen zehn Jahren um fast 50 Prozent gestiegen. Etwa 1,5 Millionen Menschen sind bei dieser Kasse versichert. Dies deute darauf hin, dass sich Depressionen bei zunehmend mehr Patientinnen und Patienten verfestigten "und zu langwierigen Leidenszeiten führen", warnte Könitz. 

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