Künstliche Intelligenz ermöglicht es Nutzern, Anliegen ohne Scheu zu äußern. Aus Sicht des Wiener Ethikers Filipovic hat das Vorteile, birgt aber auch Gefahren.
Der Wiener Medienethiker Alexander Filipovic hat vor falscher Vertraulichkeit mit Chatbots gewarnt. Es bestehe die Gefahr, die Künstliche Intelligenz hinter diesen Automaten für ein persönliches Gegenüber zu halten. Genau das aber passiere im Laufe solcher Konversationen, sagte Filipovic in einem Interview mit den "Salzburger Nachrichten" (Mittwoch).
Zur Begründung führte Filipovic aus: "Vor der Maschine muss man sich nicht schämen. Man hat weniger Hemmungen. Wenn man mit einem Chatbot spricht, urteilt dieser nicht - genau wie ein Therapeut." Das sei wichtig, um in einem solchen Gespräch ein gutes Gefühl zu haben, gerade wenn man sich schlecht fühle oder in moralischen Fragen unsicher sei. "Man kann frei darauf lossprechen. Aber man darf nicht den Fehler machen, diese Maschine mit einem Therapeuten oder einem echten Menschen zu verwechseln", sagte der Ethiker.
Anlass des Interviews war der Suizid eines 16-Jährigen in den USA. Die Eltern des Jugendlichen machen dessen Unterhaltungen mit einem Chatbot mitverantwortlich. Filipovic riet zu einem intensiven Austausch zwischen Eltern und Kindern über die Nutzung von KI-Assistenten wie ChatGPT.
Der Medienethiker plädierte für einen zweifachen Ansatz: "Man muss auf der einen Seite sehr sorgfältig regulieren. Das heißt, die Anbieter in die Pflicht nehmen und gesetzlich einschränken in dem, was sie tun, oder regulieren, was sie tun. Und auf der anderen Seite muss man mit der gleichen Anstrengung junge Menschen, verletzliche Menschen, fit machen im Umgang mit neuen Technologien."