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Maroniten

Die Maroniten sind die größte christliche Gemeinschaft im Libanon. Anders als bei anderen mit dem Papst verbundenen (“unierten”) Ostkirchen hat eine Trennung von Rom aus Sicht der maronitischen Kirche nie bestanden.

Die Maroniten sind die größte christliche Gemeinschaft im Libanon. Ihren Namen leiten sie von dem Einsiedler Maron ab, der nahe dem nordsyrischen Apameia lebte und laut der Überlieferung im Jahr 410 starb. Zwischen dem Kloster Mar Maron und der byzantinischen Reichskirche gab es im 7. Jahrhundert theologische Spannungen. Zum Bruch mit Konstantinopel kam es 745 im Streit um die Einsetzung eines Patriarchen von Antiochien. Zu dieser Zeit hatten die Maroniten bereits einen eigenen Patriarchen gewählt. Die Tradition nennt ihn Johannes Maron.

Während der Kreuzzüge im 11. Jahrhundert unterstützten die Maroniten im libanesischen Bergland die westlichen Heere, die sie als Befreier von Seldschuken und Fatimiden begrüßten. 1182 wurde ihre Einheit mit dem Papst offiziell bestätigt. Eine Trennung von Rom hat aus Sicht der maronitischen Kirche im Unterschied zu anderen mit dem Papst verbundenen (“unierten”) Ostkirchen nie bestanden.

Die Maroniten haben eine eigene Liturgie in arabischer Sprache. Ihr Patriarch wird von den Bischöfen mit mindestens Zweidrittelmehrheit gewählt und vom Papst bestätigt. Nach Angaben des Vatikans gibt es weltweit rund drei Millionen Maroniten. Zu ihrer Zahl im Libanon fehlen verlässliche Quellen; die jüngste Volkszählung fand 1932 statt. Die Schätzungen schwanken stark: zwischen 20 Prozent und 40 Prozent bei einer Gesamtbevölkerung von rund sechs Millionen. Auch in Syrien und auf Zypern leben Maroniten. Starke Migrantengemeinden gibt es in Argentinien (700.000) und Brasilien (500.000).

Gemäß einer Übereinkunft bei der libanesischen Unabhängigkeit 1943 stellen die Maroniten stets den Staatspräsidenten. Durch eine enge Verbindung von Religion und Politik hat das Amt des maronitischen Patriarchen, zurzeit Kardinal Bechara Rai (85), auch politisch große Bedeutung.