Mahnmal für verfolgte Wohnungslose enthüllt

In der Mainzer Innenstadt ist am Donnerstag ein Mahnmal für Wohnungslose und andere als „Asoziale“ verfemte Menschen enthüllt worden, die während der NS-Herrschaft verfolgt worden waren. Die abstrakte Bronzeskulptur des Künstlers Franz Konrad zeigt drei verzweifelte, gebeugt sitzende Gestalten, trägt den Titel „diffamiert“ und wurde auf dem Vorplatz der Barockkirche St. Peter am Rand des rheinland-pfälzischen Regierungsviertels aufgebaut. Nach Angaben der Stadt handelt es sich um das erste derartige Mahnmal in der Bundesrepublik.

Nach dem nationalsozialistischen Weltbild wurden unter anderem Tagelöhner, Wohnungslose, Prostituierte, Fürsorgeempfänger sowie Sinti und Roma zu vermeintlichen „Asozialen“ erklärt. Bei der Enthüllung des Denkmals erinnerte der Mainzer Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos) daran, dass diese Menschen erst 2020, 75 Jahre nach dem Ende der NS-Diktatur, offiziell als Opfergruppe anerkannt worden waren. Der Umstand, dass es so lange dauerte, sei „eigentlich auch für sich genommen ein Skandal“. Bis heute würden Menschen ohne festen Wohnsitz oft ausgegrenzt oder gar Opfer tätlicher Angriffe.

Die Schaffung des Mahnmals geht auf eine Initiative des Mainzer Sozialmediziners Gerhard Trabert zurück, dessen Verein „Armut und Gesundheit“ sich gegen die Ausgrenzung von Wohnungslosen engagiert und dem es gelungen war, die zuständigen städtischen Gremien von der Idee zu überzeugen. Die Skulptur ist mit eigens zu diesem Zweck gesammelten Spenden finanziert worden. An der Denkmalsenthüllung konnte der schwer erkrankte Arzt nicht teilnehmen.

Als Standort für die Skulptur war bewusst der Platz an der katholischen Pfarrkirche gewählt worden. In der Kirche befindet sich das Grab des wegen seines sozialen Engagements verehrten Pfarrers Franz Adam Landvogt (1889-1953).

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