Der frühere Bundespräsident Joachim Gauck hat die Medien aufgefordert, ihren Teil zur Verteidigung der Demokratie beizutragen. „In Zeiten, in denen die Fundamente der Demokratie angegriffen werden, sehe ich so etwas wie eine Beistandspflicht der Medien bei der Verteidigung“, sagte er in Hannover beim Kongress „The Future of German Media“ („Die Zukunft der deutschen Medien“) der Madsack-Mediengruppe.
Er wünsche sich keinesfalls einen ausschließlich affirmativen Journalismus, führte der 86-Jährige aus. „Unser kritisches Bewusstsein verschwindet ja nicht, wenn wir das Gelungene wahrnehmbar machen.“ Er wünsche sich daher eher „einen größeren Respekt und eine Wahrung dessen, was unser Land lebenswert macht“. Oft genug habe er die Erfahrung gemacht, dass Berichterstattungen eher darauf abzielten, die Demokratie infrage zu stellen.
Gauck: Qualitätsmedien gegen alternative Fakten
„Klar ist, dass sich Qualitätsmedien gegen sogenannte alternative Fakten zur Wehr setzen müssen“, betonte der Politiker und evangelische Theologe. Dies sei eine aufklärerische Daueraufgabe. Mit Sorge betrachte er daher Entwicklungen in den USA, wo kritische Medien zwar nicht verboten werden könnten, aber durch Delegitimierung oder Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen massiven Angriffen ausgesetzt seien. Das Perfide daran sei, dass dies als „ein Angriff auf die Freiheit aus der Freiheit heraus“ geschehe - unter anderem durch die Trump-Regierung.
Unabhängige Plattformen ohne Tech-Oligarchen
Global gesehen habe das Völkerrecht immer weniger Fürsprecher, sagte Gauck. „An verschiedenen Orten in dieser Welt tritt Gewalt an die Stelle des Rechts.“ Die Politik und auch die Medien in Deutschland seien daher gut beraten, unabhängige Strukturen zu schaffen, etwa über Plattformen, die nicht von Tech-Oligarchen kontrolliert würden. Die weltweiten Umbrüche veränderten sonst nicht nur das, worüber berichtet werde: „Sie verändern auch die Bedingungen, unter denen berichtet werden kann.“
