Die Liebieghaus-Skulpturensammlung in Frankfurt am Main zeigt in der Ausstellung „Tiere sind auch nur Menschen“ knapp 100 Skulpturen des Bildhauers August Gaul (1869-1921). Präsentiert werde die gesamte Bandbreite eines der ersten modernen Bildhauer Deutschlands, sagte Museumsdirektor Philipp Demandt am Mittwoch bei der Vorstellung der Schau. Im Liebieghaus treten die Werke in einen Dialog mit Skulpturen aus drei Jahrtausenden. Die Schau ist bis zum 3. Mai 2026 zu sehen.
Der präzise Naturbeobachter Gaul zeige die Tiere auf ihre Grundform reduziert als fühlende Wesen, erläuterte Demandt. Er habe sie von Symbolen der griechischen Mythologie, des Christentums oder politischer Herrschaftsansprüche befreit. Das werde unter anderem deutlich an Gauls besonderer Art eines Reiterstandbilds, gemeinhin die „edelste Form der Würdigung eines Herrschers“. Gaul hingegen zeigt einen Esel, auf dem ein Knabe sitzt.
August Gaul sei in einer Zeit groß geworden, in der erstmals die seelische Verfasstheit des Tieres diskutiert wurde, erläuterte Kurator Vinzenz Brinkmann. Er verwies auf den Natur- und Evolutionsforscher Charles Darwin (1809-1882), der 1872 ein Buch zur Emotionalität von Mensch und Tier veröffentlichte. „Gauls Skulpturen verbinden Zärtlichkeit mit strenger Klarheit. Zum ersten Mal in der europäischen Kunstgeschichte zeigt er das Tier als eigenständiges Individuum“, sagte Brinkmann. In Gauls Stehender Löwin etwa begegne den Betrachtern eine Persönlichkeit mit Ernsthaftigkeit und Sorge im Blick.
August Gaul wurde 1869 im hessischen Hanau-Großauheim geboren. 1888 zog er nach Berlin und war Meisterschüler des Bildhauers Reinhold Begas (1831-1911).