Der Predigttext des kommenden Sonntags lautet: „... weil mich diese Witwe aber nicht in Ruhe lässt, will ich ihr Recht verschaffen.“ aus Lukas 18, 1-8
Die letzten Monate ihres Lebens war sie tief unglücklich gewesen, dort im Zweibettzimmer im Seniorenheim. Sie, die Hochgebildete, Feinsinnige, hatte man – „leider, leider ist derzeit nichts anderes frei“ – zu einer dementen, aber äußerst agilen Frau gelegt, die ihr kaum eine ruhige Minute ließ. Ganz selbstverständlich war die Heimleitung davon ausgegangen, dass sie als Pfarrwitwe damit schon klarkommen würde. Und sie ertrug es tatsächlich ohne groß zu klagen, so wie sie jahrzehntelang unentgeltlich in der Gemeinde für viele und vieles da gewesen war und dann ihren Mann bis zu seinem Tod gepflegt hatte. Doch so blieb ihr einziger Wunsch, den sie noch hatte, unerfüllt – sich in Ruhe auf ihr Sterben vorbereiten zu können. Aber sie wollte keinen nerven, auch wenn sie genervt war. Andere hatten damit weniger Probleme: So die Frau, die schon von der einweisenden Ärztin als energisch und sozial unverträglich eingestuft worden war. Sie bekam sofort ein Einzelzimmer. Ungerecht, aber nachvollziehbar.
„Gib dich zufrieden und sei stille“, heißt es in einem alten Gesangbuchlied. Still dulden – das galt und gilt auch heute noch weithin als christliches Ideal, dem besonders Frauen zu entsprechen haben. Klaglos ist das eigene Schicksal als das, was Gott schickt, anzunehmen.

