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Lippischer Landessuperintendent: Missbrauch wird Synodenthema bleiben

Im Bereich der Lippischen Landeskirche sind im vergangenen Jahr fünf weitere Fälle sexualisierter Gewalt bekannt geworden. Vier haben sich in den 1980er und 90er Jahren ereignet, wie Landessuperintendent Dietmar Arends am Dienstag auf der Tagung der Lippischen Synode in Detmold berichtete. Inzwischen habe eine interne Arbeitsgruppe ihre Arbeit aufgenommen, die unter externer Begleitung die bisher geleistete Aufarbeitung analysieren und die Ergebnisse für die Präventionsarbeit für die Gemeinden nutzbar machen soll. Die Frühjahrssynode 2027 soll sich dann schwerpunktmäßig mit dem Thema sexualisierte Gewalt beschäftigen, kündigte Arends an.

Rückblickend äußerte sich Arends betroffen: „Auch in unserer Kirche gab es Verantwortungsträger, die Betroffene nicht gehört haben, die weggeschaut oder sogar Täter geschützt haben. Es waren einzelne, aber es gab sie.“ Bei der Aufarbeitung habe man immer wieder in tiefe Abgründe geschaut.

Die Präventionsarbeit mache gute Fortschritte, erläuterte der Landessuperintendent weiter. Das System der Schulungen sei ausgebaut und differenziert worden. So würden nun Basisschulungen angeboten, die sich speziell an ehrenamtlich mitarbeitende Jugendliche und junge Erwachsene bis 21 Jahren richten. Für Mitarbeitende in der Kinder- und Jugendarbeit gibt es ab dem nächsten Jahr einen zweiten Aufbaukurs, der sich mit den Fragen von Prävention und Intervention im Blick auf die Zielgruppe Kinder und Jugendliche beschäftigen wird. Ab Januar 2026 sollen auch Präventionsschulungen für pädagogische Fachkräfte in Kindertagesstätten angeboten werden.

Wie Arends berichtete, haben 55 der 65 lippischen Gemeinden Kirchengemeinden inzwischen Schutzkonzepte eingereicht. Mit den zehn restlichen Gemeinden sei das Landeskirchenamt im Gespräch. Als wichtigen Meilenstein bezeichnete Arends den Start der Unabhängigen Regionalen Aufarbeitungskommissionen (URAK) sowie die Novelle der Gewaltschutzrichtlinie, die Grundlage für das Kirchengesetz zum Schutz vor Sexualisierter Gewalt ist, und die Einrichtung einer zentralen Ombudsstelle für betroffene Personen bis Ende 2026.

Die Lippische Landeskirche ist mit 129.000 Mitgliedern die drittkleinste der 20 evangelischen Landeskirchen in Deutschland. Von den 65 lippischen Kirchengemeinden sind 54 reformiert, zehn lutherisch und eine sowohl lutherisch als auch reformiert. Die zweitägigen Beratungen des Kirchenparlaments in Detmold sollten am Dienstag enden.