Frieda Waldmann ist evangelisch, Alfred „Fredy“ Davidsohn ist jüdisch. Sie lieben einander, aber die „Nürnberger Rassengesetze“ verbieten diese Beziehung. In einem Gerichtssaal in Nürnberg sieht sich das Fürther Paar 1939 zum letzten Mal. Ihre Geschichte wird nun bei einer szenischen Lesung zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar (19 Uhr) im Jüdischen Museum Franken in Fürth erzählt, teilt die Leiterin des Museums, Daniela Eisenstein, mit.
Eisenstein hütet in ihrem Museum den Nachlass von Frieda Waldmann, den sie der Einrichtung nach ihrem Tod im Alter von 101 Jahren mit der Auflage hinterließ, Fredys Geschichte zu erzählen. Unter den Erinnerungsstücken ist die technische Zeichnung eines neuartigen Zigarettenautomaten, die der Maschinenbauer Fredy im Gefängnis angefertigt hatte. Ein Patent darauf sollte Friedas Lebensunterhalt sichern, so war sein Plan, erzählt Eisenstein.
Briefe, der Verlobungsring, Fotos von Fredy Davidsohn und das letzte Foto von den beiden am Tag der Verlobung geben Zeugnis von dem Fürther Paar, das seine illegale und strafbare Beziehung in aller Stille weiterführt. Über die Haushälterin von Fredys Familie schicken sie sich Briefe hin und her, bis sie vermutlich von dem nationalsozialistischen Teil von Friedas Familie denunziert werden, berichtet Eisenstein.
Im Jahr 1942 stirbt Fredy, der zuvor wegen Rassenschande in Zweibrücken im Gefängnis gesessen hatte, im Konzentrationslager Auschwitz. 1956 wird Frieda, die nach dem Krieg in Fürth und Erlangen lebte, posthum mit ihrem Verlobten verheiratet und als seine Erbin anerkannt.
In einer szenischen Lesung aus Briefen und Berichten, die Frieda dem Jüdischen Museum Franken schenkte, gehen Hannah Candolini und Matthäus Zaborszyk dieser Liebesgeschichte nach. Die Texte wurden dramaturgisch von Udo Eidinger, Johannes Beissel und Jagoda Tomski bearbeitet. Für die Lesung komponierte Michael Falter ein Musikstück, das bei der Veranstaltung von der Cellistin Stefanie Waegner uraufgeführt wird. (0155/19.01.2026)