Nach Berufsverbot nun wieder ein Festival: Jafar Panahi spricht in Cannes über seinen neuen Film – und über die Entwicklungen, die ihn auf ein Ende der iranischen Regierung hoffen lassen.
Jafar Panahi (65), iranischer Filmemacher, hofft nach eigenen Worten auf eine gewaltlose Zukunft in seiner Heimat. Die Regierung spüre, dass ihre Macht ein Ende habe, sagte Panahi im Interview der “Zeit” (Online Dienstag). Derzeit kämen Musiker, Wissenschaftler und Journalisten ins Gefängnis, weil das Regime den “Schrecken des nahenden Zusammenbruchs” spüre. “Eine leere Hülse, das ist es, was von der Islamischen Republik geblieben ist.”
Die Regierung habe für die Mehrheit der Bevölkerung ihre Legitimation verloren, sagte der Regisseur, dessen Film “It Was Just an Accident” im Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes läuft. “Allein die Tatsache, dass sich das Regime so obsessiv an der Frage aufhängt, wie Frauen ihre Haare zu tragen haben, ist das Zeichen seines nahenden Zusammenbruchs.”
Ein liberaler Mensch könne den Glauben und die Werte seines Gegenübers respektieren, fügte Panahi hinzu. Dies könne sich auch darin zeigen, wenn Frauen freiwillig einen Schleier anlegten, während sie mit religiösen Menschen sprächen. “Sich so zu kleiden, wie man will, und dabei zu versuchen, den Blick und die Haltung des Gegenübers zu respektieren, das ist für mich praktizierte Demokratie.” Dagegen wolle die iranische Regierung den Menschen vorschreiben, “wie wir auftreten und uns kleiden sollen”.
Panahis Film thematisiert auch die Korruption im Iran. “Eigentlich widerspricht Bestechung den Grundlagen des Islams, und die Islamische Republik müsste die Korruption bekämpfen, wenn sie denn ihr religiöses Selbstverständnis ernst nähme”, erklärte er. “Aber das Gegenteil ist der Fall.”
Der Regimegegner ist nach 15 Jahren Berufsverbot und mehreren Inhaftierungen erstmals wieder bei einem internationalen Filmfestival. Auch bei seinem aktuellen Film seien Crewmitglieder und Schauspielerinnen zu Verhören einbestellt worden. “Natürlich bin ich immer mitgegangen und habe vor dem Gebäude gewartet, bis sie wieder herauskamen.” Das Drehbuch sei aus Gesprächen mit Mitgefangenen entstanden, zu denen auch Regisseur Mohammad Rasoulof zählte. – Die Filmfestspiele von Cannes enden am Samstag mit der Verleihung der Goldenen Palme; im Rennen sind 21 Filme.