Ihre Weihnachtsgottesdienste geht die Kirchengemeinde auf Langeoog gelassen an. „Ich kann noch gar nicht sagen, was wir Heiligabend singen werden“, sagt die Organistin und Chorleiterin Olga Persits. Erst einen Tag vor Heiligabend, wenn der Spontanchor der Gemeinde das erste Mal seine drei Lieder für die Christvesper probe, entscheide sie über das Repertoire. Denn erst dann wisse sie, wer sich beteilige und wie anspruchsvoll die Stücke sein dürfen.
Die 38-jährige Kirchenmusikerin, die daneben auch einen Gospelchor leitet, muss in der knapp zweistündigen Probe auf alles gefasst sein. „Im vergangenen Jahr waren wir nur neun Leute, erzählt sie. „Und dann sind vor dem Gottesdienst auch noch drei ausgefallen, weil sie krank wurden.“ Die Sängerinnen und Sänger hätten im Gottesdienst nicht wie geplant vierstimmig, sondern nur dreistimmig singen können. Sie selbst sei als Sopran eingesprungen. Aber wohl gerade deswegen sei der Gottesdienst für sie wie ein kleines Weihnachtswunder gewesen.
Die musikalische Spontaneität an Weihnachten und anderen Festtagen wie Ostern hat seit mehr als 30 Jahren Tradition auf der Nordseeinsel. „Damals hieß der Spontanchor noch Insel- und Gästekantorei“, erinnert sich Andrea Lueg, die vor 25 Jahren nach Langeoog gezogen ist und gleich mitmachte. „Für mich war es eine Gelegenheit, Einheimische kennenzulernen.“
