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Landkreise: Klinikreform macht Leben auf dem Land gefährlicher

Der Präsident des Deutschen Landkreistages warnt vor den Folgen der bundesweiten Krankenhausreform für Patienten auf dem Land. Das Stadt-Land-Gefälle nehme zu.

Menschen auf dem Land werden aus Sicht der Landkreise durch die bundesweite Krankenhausreform stark benachteiligt. Das Leben im ländlichen Raum werde für Patienten “gefährlicher”, sagte Achim Brötel, Präsident des Deutschen Landkreistags, am Donnerstagabend in der SWR-Sendung “Zur Sache! Baden-Württemberg”. Er sprach von einer Abwärtsspirale. Schon jetzt sei ein “Stadt-Land-Gefälle” deutlich erkennbar, was Bettendichte, weite Wege und Erreichbarkeit mit Bussen und Bahnen angehe.

Wenn jetzt im Zuge der Reform weitere Kliniken an kleineren Standorten geschlossen würden und die Menschen in die nächste, größere Stadt müssten, verschärfe sich das Problem. Brötel argumentierte, im ländlichen Raum versorgten die Krankenhäuser oft viele alte und nicht mehr mobile Menschen. Da gehe es nicht immer nur um Effizienz. “Das ist oft das verlängerte Pflegebett”, sagte Brötel. “Diese Menschen wird uns niemand abnehmen, wenn die Strukturen hier wegbrechen, Strukturen zusammengeführt werden an größeren Standorten, dann werden diese Menschen unversorgt bleiben.” Brötel warnte: “Es wird ein sehr einsames Sterben werden. Das ist mit meinem Menschen- und Weltbild überhaupt nicht vereinbar.”

Leider sei nicht absehbar, dass die Reform zurückgedreht werde, sagte der Landrat des Neckar-Odenwald-Kreises, der auch Chef des Landkreistags in Baden-Württemberg ist. Die Grundidee von Ex-Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sei richtig gewesen, den Häusern 60 Prozent des Geldes für das Vorhalten von medizinischen Leistungen und der dafür nötigen Strukturen zu geben. Aber die Umsetzung der Vorhaltevergütung sei falsch, weil sie wieder von den Fallzahlen abhänge, kritisierte Brötel. “Kleine Krankenhäuser haben im Grunde keine Chance, diese Fallzahlen zu erwirtschaften.” Hier müsse Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) für “deutlich mehr Flexibilisierung vor Ort” sorgen, so seine Forderung.