Landesverband fordert Recht auf Gebärdensprache in der Schule

Anlässlich des Internationalen Tages der Bildung am 24. Januar mahnt der Landesverband Bayern der Gehörlosen (LVBYGL) die bayerische Staatsregierung, die sprachliche Realität gehörloser Kinder anzuerkennen. Die Deutsche Gebärdensprache (DGS) solle als vollwertige Unterrichtssprache, nicht nur als „Nachteilsausgleich“ anerkannt werden, forderte der Verband in einer Mitteilung vom Freitag. Außerdem müsse der Einsatz von Gebärdensprachdolmetschern im Unterricht automatisch bewilligt werden, wenn keine DGS-kompetenten Lehrkräfte zur Verfügung stehen.

Als Beispiel nannte der LVBYGL den aktuellen Fall der Schülerin Antonia in Mittelfranken. Obwohl sie das Potenzial für das Gymnasium mitbringe, habe ihr Recht auf Gebärdensprachdolmetscher erst juristisch erstritten werden müssen. „Fälle wie der von Antonia sind keine Einzelfälle, sondern Symptome struktureller Barrieren“, so die Mitteilung weiter. Dies untermauere auch das laufende Forschungsprojekt „Praktische Hürden beim Zugang zur inklusiven Schule“ des Deutschen Instituts für Menschenrechte und der Goethe-Universität Frankfurt, das die systemischen Ausschlussmechanismen untersucht, denen Eltern und Kinder täglich begegnen.

Der Landesverband wies darauf hin, dass technische Hilfsmittel, wie drahtlose akustische Übertragungsanlagen, allein keine Inklusion garantierten. Wenn Kommunikation nicht barrierefrei und vollständig in der Erstsprache der Schüler erfolge, „drohen massive Bildungslücken, Sprachregression und soziale Isolation“. Eine Übertragungsanlage könne die komplexe Interaktion im Klassenzimmer nicht übersetzen. Das könnten nur Menschen, die die Sprache beherrschen.

Der Landesverband Bayern der Gehörlosen vertritt die politischen, wirtschaftlichen, sprachlichen und kulturellen Interessen der Gebärdensprachgemeinschaft in Bayern. Dies umfasst Gehörlose und andere Menschen mit Hörbehinderungen. (0223/23.01.2026)

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