Weichen gestellt, Strukturreformen eingeleitet: Bei der letzten Sitzung ihrer Amtszeit hat die evangelische Landessynode zukunftsbestimmende Beschlüsse gefasst. Man sei „auf dem Weg zu einer Kirche, die aus Erfahrungen lernt, Mut zur Erneuerung hat und Zukunft aktiv gestaltet“, sagte die scheidende Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel. Landesbischof Christian Kopp erklärte, die Kirche müsse sich in Zeiten „atemberaubender Veränderungen“ so aufstellen, dass sie ihre Probleme nicht den nächsten Generationen hinterlasse. Der Theologe ermutigte die Christen in Bayern, „dem Licht und der Kraft Gottes Raum zu geben“ und bei ihren Entscheidungen „konsequent nach dem Wofür“ zu fragen.
Mit großer Mehrheit beschloss das Kirchenparlament, dem 108 Abgeordnete aus ganz Bayern angehören, einen ersten Stellenplan, der das Gesicht der Ortsgemeinden verändern wird. Bis 2034 streicht die Landeskirche demnach jede vierte Stelle – Grund dafür ist der erwartete Rückgang von Mitgliedern, Finanzmitteln und Hauptamtlichen um 40 Prozent in den nächsten zehn Jahren. Die aktuell noch 1.525 evangelischen Gemeinden sollen sich zu größeren Einheiten – sogenannten Regionalgemeinden – zusammenschließen, um Verwaltungskosten in Höhe von jährlich etwa sechs Millionen Euro einzusparen. Pro Regionalgemeinde könnten „multiprofessionelle Teams“ aus Pfarrern, Diakonen, Kirchenmusikern und Religionspädagogen mit mindestens fünf Vollzeitstellen zum Einsatz kommen.
Der kirchliche Haushalt umfasst für das Jahr 2026 noch einmal rund 770 Millionen Euro, bevor laut Finanzchef Patrick de la Lanne ein deutlicher Rückgang der Einnahmen einsetzt. Diese bestehen zu 80 Prozent aus Kirchensteuereinnahmen. Bis 2035 rechne man aber mit einem Rückgang der Kirchenmitglieder „von aktuell rund zwei Millionen auf 1,2 bis 1,5 Millionen“, erklärte der Oberkirchenrat, was sich direkt auf die Einnahmen auswirke. Deshalb müsse die nächste Synode schon bei ihrer ersten Tagung im Frühjahr 2026 darüber diskutieren, welche inhaltlichen Schwerpunkte sie für die Arbeit setzen wolle.
Sichtbar werden die Strukturreformen ab 1. Januar 2027 in Nordbayern: Die Synode stimmte zu, die bisherigen drei Kirchenkreise Ansbach-Würzburg, Nürnberg und Bayreuth zu einem „Kirchenkreis Franken“ zu verschmelzen, der dann von einem Leitungs-Duo geführt wird. Bereits seit 2025 setzen die Protestanten in Südbayern dieses Modell mit dem neuen Kirchenkreis Schwaben-Altbayern um.
Neben den Strukturbeschlüssen standen inhaltliche Themen wie Mitgliederbindung und Chancengerechtigkeit, aber auch sexualisierte Gewalt und geistlicher Missbrauch auf der Tagesordnung. Ab 1. Januar 2026 übernehme die bayerische Landeskirche (ELKB) für alle gemeldeten Fälle von sexualisierter Gewalt die Anerkennungsrichtlinien der Evangelischen Kirche in Deutschland, erklärte Martina Frohmader, Leiterin der Fachstelle für den Umgang mit sexualisierter Gewalt, in ihrem Bericht. Zahlungen an Missbrauchsopfer setzen sich demnach künftig aus einer Pauschale von 15.000 Euro und einer nicht gedeckelten individuellen Leistung zusammen. Bislang habe die ELKB 2,5 Millionen Euro an 102 Betroffene ausgezahlt. Die Rücklage für kommende Meldungen betrage aktuell 3,3 Millionen Euro.
Die bayerische Landessynode ist das Parlament der Protestanten. Sie setzt sich aus 108 Mitgliedern zusammen und ist für jeweils sechs Jahre im Amt. Am zweiten Adventssonntag (7. Dezember) wählen die rund 13.000 Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher der evangelischen Gemeinden im Freistaat die neue Landessynode. (3743/26.11.2025)