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Landeskomitee-Chef: Kirche benötigt mehr überdiözesane Solidarität

Auf seiner Herbstvollversammlung beschäftigt sich Bayerns höchstes katholisches Laiengremium mit Herausforderungen der Kirche. Angesichts weniger werdender Mitglieder und Finanzen sei mehr Zusammenarbeit angesagt.

Der Vorsitzende des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, Christian Gärtner, hat für die Zukunft der Kirche mehr Bereitschaft zu überdiözesaner Solidarität angemahnt. Diese sei nötig angesichts geringer werdender finanzieller und personeller Ressourcen, sagte Gärtner am Freitag in Deggendorf bei der Herbstvollversammlung des obersten katholischen Laiengremiums im Freistaat. Das bisweilen vorhandene, enge Kirch- und auch Kathedralturmdenken müsse überwunden werden. Die anstehenden Herausforderungen sollten als gemeinsame Aufgabe der katholischen Kirche in Bayern angesehen werden – jenseits aller Unterschiede.

“Es braucht in Bayern keine sieben Kirchensteuerämter und Verwaltungen”, führte der Vorsitzende als Beispiel an. Vieles ließe sich überdiözesan organisieren, ohne dass pastorale Freiheiten in den jeweiligen Bistümern eingeschränkt würden. Zudem zeigte sich Gärtner überzeugt, dass die Zukunft der Kirche von engagierten Frauen und Männern von vor Ort abhänge. Sie seien diejenigen, die durch ihren Einsatz in sozialen Initiativen, in der Politik und an der Aufrechterhaltung eines ortsnahen Angebots von Gottesdiensten ein glaubwürdiges Zeugnis für die Frohe Botschaft gäben. Die Gläubigen müssten von Anfang an an Umstrukturierungsprozessen beteiligt werden.

Kirche müsse Stimme sein für jene, die sich sonst kein Gehör verschaffen könnten, betonte die stellvertretende Vorsitzende Silvia Wallner-Moosreiner. Sie beklagte, dass in der Gesellschaft Angst geschürt werde, wonach der Sozialstaat überlastet sei. Menschen in Notlagen bräuchten niedrigschwellige Hilfsangebote. Deshalb engagierten sich katholische Verbände in Bayern in der Beratung und Unterstützung.

Aus ihrer Erfahrung beim Sozialdienst katholischer Frauen müsse sie sagen, dass es nach wie vor nicht gut möglich sei, Familie und Beruf zu vereinbaren, kritisierte Wallner-Moosreiner. Das sei ein Hauptgrund, warum sich viele Paare nicht für ein zweites Kind entschieden. Ihr Kollege Michael Wolf ging auf die Bürgergeld-Diskussion ein. Zu oft werde mit Emotionen und nicht mit Fakten gearbeitet. Wer bedürftig sei, dürfe nicht an den Pranger gestellt werden, sondern müsse ausreichend Mittel bekommen, um ein menschenwürdiges Leben führen zu können.

Das Landeskomitee wolle sich dafür einsetzen, Spaltungen in der Gesellschaft zu überwinden, sagte die zum Vorstandsteam gehörende Katharina Vogt. Sie plädierte dafür, aufgrund weniger werdender Ehren- und Hauptamtlicher in der Kirche die Kräfte sinnvoll zu bündeln und Synergien zu nutzen. Neue Wege müssten gefunden werden, um auch Menschen einzubinden, die sich nicht für vier Jahre in ein Gremium wählen lassen wollten, sondern sich lieber für ein bestimmtes Thema oder ein Projekt einbringen wollten.

Im Landeskomitee sind die Delegierten aller sieben Diözesanräte sowie landesweit tätigen kirchlichen Verbände und Initiativen vertreten. Dazu kommen berufene Einzelmitglieder. Das Gremium repräsentiert die rund 5,5 Millionen Katholiken in Bayern.