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Landeskirche zwischen Pragmatismus und kämpferischer Zuversicht

Welcher Umbruch den bayerischen Protestanten in den nächsten zehn Jahre bevorsteht, hat sich geballt zum Auftakt der Landessynode im oberpfälzischen Amberg gezeigt. Egal, ob Personaler, Finanzchef oder Landesbischof: In ihren Berichten schworen die Oberkirchenräte die 108 Synodalen auf dramatische Veränderungen ein. Man rechne bis zum Jahr 2035 mit 40 Prozent weniger Hauptamtlichen, 40 Prozent weniger Finanzmitteln, 40 Prozent weniger Mitgliedern.

Dennoch gaben sich die Kirchenleitenden kämpferisch. „Gott gibt uns Kraft für die großen Veränderungen, in denen wir stehen“, sagte Landesbischof Christian Kopp. Es sei die Aufgabe von Christinnen und Christen, als „Ermöglicherinnen und Ermöglicher“ dem Licht und der Kraft Gottes Raum zu geben. Kopp forderte die Verantwortlichen auf allen Ebenen zu einer Sichtweise auf, die nach der „Wirkung für wie viele, wo und wofür“ frage.

Sein „wofür“ lasse sich mit dem Paulus-Wort von „Glaube, Liebe, Hoffnung“ umreißen, erklärte der Theologe: „Wir haben eine Verantwortung für Kinder und Jugendliche, für die Bewahrung der Schöpfung und für den Frieden.“ Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel ergänzte, dass Gemeinden auch in Zukunft „Hotspots des Evangeliums“ sowie Orte von Nähe in einer kälter werdenden Gesellschaft bleiben müssten.

Bei der Vorstellung des landeskirchlichen Haushaltsplanes für das Jahr 2026 rechnete der landeskirchliche Finanzchef Patrick de La Lanne vorerst mit stabilen Kirchensteuereinnahmen von rund 770 Millionen Euro. Von 2027 bis 2035 erwarte er aber einen deutlichen Rückgang um bis zu 40 Prozent, weil die Zahl der Kirchenmitglieder – und damit auch die Mittel aus Kirchensteuereinnahmen – von aktuell rund zwei Millionen auf 1,2 bis 1,5 Millionen zurückgehen werde.

Um diesen Prozess der Transformation zu gestalten, sei eine „wirkungsorientierte Finanzplanung“ mit strategischer Schwerpunktsetzung nötig. Ein erster Entwurf, welche Arbeitsfelder beibehalten und welche Aufgaben gestrichen werden müssten, werde der Landeskirchenrat bis Frühjahr 2026 erarbeiten, um dann mit der Synode in einen Dialogprozess einzusteigen, kündigte de La Lanne an.

Der Rückgang aller Zahlen wirkt sich auch auf das Gesicht von Ortsgemeinden aus: Insgesamt würden bis 2035 etwa 25 Prozent der kirchlichen Stellen gestrichen, erläuterte Personalchef Stefan Reimers. Künftig werde man deshalb mit „Regionalgemeinden“ planen, zu denen sich benachbarte Einheiten zusammenfinden. Für jede Regionalgemeinde sei dann ein mindestens fünfköpfiges, multiprofessionelles Team zuständig, so der Oberkirchenrat. Pfarrerinnen und Pfarrer sollen dabei mit Menschen aus nicht-ordinierten Berufsgruppen – Diakone, Religionspädagoginnen, Kirchenmusiker – zusammenarbeiten. Dieser Vorbeschluss zur Landesstellenplanung müsse jetzt in der Synode diskutiert werden. Im Herbst 2026 soll der Plan beschlossen und bis 2034 vollständig umgesetzt sein.

Veränderungen kündigte auch die Leiterin der Fachstelle für den Umgang mit sexualisierter Gewalt, Martina Frohmader, an. Im Oktober 2025 habe die Landeskirche die Anerkennungsrichtlinien der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) übernommen, um für einheitliche Verfahren und Zahlungen zu sorgen. Ab 1. Januar 2026 seien somit in der bayerischen Landeskirche die Anerkennungsleistungen für Missbrauchsbetroffene nicht mehr bei 50.000 Euro gedeckelt. Stattdessen können sie sich aus einer Pauschale von 15.000 Euro und einer individuellen Zahlung ohne Obergrenze zusammensetzen. Seit 2015 sind laut Frohmader für 102 Anträge von betroffenen Personen aus der Landeskirche und diakonischen Einrichtungen in Bayern knapp 2,5 Millionen Euro ausgezahlt worden. (3710/24.11.2025)