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Landeskirche: Unrecht aufarbeiten und Versagen offenlegen

Für die Landeskirche Anhalts ist die ForuM-Studie über sexualisierte Gewalt in der evangelischen Kirche ein zentraler Beitrag zur Aufarbeitung. Die juristische Oberkirchenrätin der Landeskirche, Franziska Bönsch, erklärte am Donnerstag in Dessau-Roßlau, die Betroffenen hätten „furchtbares Leid erlitten, mit Folgen für ihr ganzes Leben“. Ihnen gegenüber stehe die Kirche in der Verantwortung, erlittenes Unrecht aufzuarbeiten und dabei auch das Versagen von Kirche als Institution offenzulegen.

Aus der Evangelischen Landeskirche Anhalts seien den Forschern zwei Fälle von sexualisierter Gewalt aus den 1950er und 1960er Jahren gemeldet worden, hieß es. Dabei seien zwei beschuldigte Pfarrpersonen aus anderen Landeskirchen in die anhaltische Landeskirche gewechselt und hätten dort weiter im Dienst gestanden.

Bönsch betonte, damit sei die Landeskirche ihrer Verantwortung nicht gerecht geworden: „Das bedauern wir zutiefst. Wir müssen klären, warum nachweisliche Täter weiterhin in der Landeskirche beschäftigt wurden. Und wir müssen sicherstellen, dass Vergleichbares nicht wieder geschieht.“

Ein von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) beauftragtes unabhängiges Forscherteam hat am Donnerstag in Hannover die ForuM-Studie zum Missbrauch in evangelischer Kirche und Diakonie vorgestellt. Darin ist von mindestens 2.225 Betroffenen und 1.259 mutmaßlichen Tätern bundesweit die Rede. Dabei betonten die Forscher, dass dies nur „die Spitze der Spitze des Eisbergs“ sei, weil vor allem Disziplinar-, kaum aber Personalakten eingesehen werden konnten.