Der landeskirchliche Finanzchef Patrick de La Lanne hält die Kirchensteuerschätzungen auch nach den überraschenden Mindereinnahmen von rund 50 Millionen Euro in diesem Jahr weiterhin für äußerst verlässlich. Dass die bayerische evangelische Landeskirche in diesem Jahr wohl nur 755 Millionen Euro statt der erwarteten 805 Millionen einnehmen wird, habe verschiedene Gründe, sagte Oberkirchenrat de La Lanne am Montag am Rande der Herbsttagung der Landessynode – dem Kirchenparlament – in Amberg.
De La Lanne sagte, es sei zwar richtig, dass sich die Steuerschätzungen von Staat und Kirche anders als früher weitgehend entkoppelt hätten. Dies liege vor allem an der Zahl der Kirchenaustritte. Weitere Gründe für die Mindereinnahmen seien die gesamtwirtschaftliche Lage infolge des Ukraine-Krieges. Die für kommendes Jahr erwarteten Kirchensteuereinnahmen von 770 Millionen Euro halte er nach wie vor für realistisch, denn die tariflichen Lohn- und Gehaltssteigerungen würden sich auch in diesem Bereich niederschlagen.
Forderungen aus dem Synoden-Plenum, angesichts dieser Entwicklungen „mehr und schneller“ zu sparen, wies der Vorsitzende des synodalen Finanzausschusses, Joachim Pietzcker, zurück. „Ich finde solche Begriffe nicht glücklich“, denn es gehe nicht einfach ums Zusammenkürzen – es gehe um die Frage, welche Bereiche man weiterführen wolle und welche nicht, weil sie nicht zum Kernbereich kirchlicher Tätigkeit gehören. Dass sich die Entscheidungsprozesse beschleunigen müssten, das sei durchaus richtig, sagte Pietzcker.
Landesbischof Christian Kopp betonte, er erlebe bei den Gesprächen mit den Haupt- und Ehrenamtlichen in der Kirche „eine ganz hohe Bereitschaft mit den vorhandenen Mitteln das Beste für Menschen“ zu erreichen. Es gelte angesichts sinkender Finanzmittel nun besonders auf die Inhalte zu schauen. „Wir wollen weniger in Steine investieren, aber mehr für die Menschen“, sagte Kopp. Beim Thema Immobilien gehe es künftig darum, was man noch an Steinen brauche, „um die Inhalte gut umsetzen zu können“. (00/3873/27.11.2023)