Wenn der Lärm und Trubel des Karnevals vorbei sind und auf den Straßen noch Konfetti liegt, beginnt die christliche Fastenzeit vor Ostern. Der Aschermittwoch markiert diesen Übergang, erläutert der evangelische Theologe Wolfgang Reinbold. „Die Tage vor der Fastenzeit heißen nicht umsonst Karneval. Das Wort kommt wahrscheinlich vom lateinischen Ausdruck 'carnem levare'. Das bedeutet 'Fleisch wegnehmen' - und Christinnen und Christen verzichten während des Fastens traditionell auf Fleisch.“
Nach dem Karneval beginnt die Besinnung
Im Karneval stehen die Rollen Kopf. Der Narr übernimmt die Herrschaft. Untertanen lachen über Obrigkeiten. Erlaubt ist, was verboten ist. „Dahinter steht wahrscheinlich ein Motiv aus den Psalmen, das in der alten römischen Liturgie eine wichtige Rolle spielte: 'Der Narr spricht in seinem Herzen: Es ist kein Gott'. Das wurde dann in aller Form inszeniert: Eine verkehrte, gottlose Welt mit allem, was dazugehört: Alkohol, Völlerei, Sex, Anarchie“, sagt Reinbold.
Später richtete sich die Reformation einerseits gegen verbindliche Fastenregeln. Andererseits fanden viele Reformatoren die exzessiven Feiern des Mittelalters abstoßend, darunter auch den Karneval. „Das ist der Grund dafür, dass Karneval bis heute in katholischen Regionen üblicher ist als in evangelischen. Allerdings sind die Unterschiede heute nicht mehr so stark wie früher“, sagt Reinbold.
Fasten hat seine Wurzeln im 4. Jahrhundert
Die Dauer der Fastenzeit von rund sieben Wochen vor Ostern setzt sich ab dem vierten Jahrhundert durch. Aus dieser Zeit stammt auch der älteste Bericht über eine Fastenzeit von genau 40 Tagen. Die Pilgerin Egeria reiste damals nach Jerusalem und berichtete, dass man dort acht Wochen fastete und dabei jeweils die Samstage und Sonntage ausließ.

Das Datum des heutigen Aschermittwochs ergibt sich aus 40 Tagen vor Ostern ohne Sonntage. Das Motiv der 40 Tage geht auf die biblischen Evangelien zurück. „Sie erzählen, dass Jesus einst 40 Tage in der Wüste gefastet hat, um sich auf Gott auszurichten“, erläutert Reinbold.
