Kurhessische Kirche muss Gebäudebestand drastisch reduzieren

Angesichts knapper werdender Finanzmittel will die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) mindestens 30 Prozent der kirchlichen Gebäude aufgeben. Künftig könnten darüber hinaus nur noch 30 Prozent des aktuellen Bestandes mit landeskirchlichen Bauerhaltungsmitteln rechnen, beschloss die Landessynode am Donnerstagabend im nordhessischen Hofgeismar. Bis zum 1. Januar 2026 sind die 14 Kirchenkreise der EKKW dazu aufgerufen, einen Gebäudeplan zu erstellen.

Aktuell befinden sich nach Angaben der kurhessischen Kirche 2.977 Gebäude in ihrem Eigentum. Darunter sind 1.079 Kirchen, 507 Pfarrhäuser, 104 Kitas, 475 Gemeindehäuser sowie 812 sonstige Gebäude. Für alle Gebäude ist laut Beschluss über alternative Nutzungs- und Finanzierungskonzepte nachzudenken. Demnach soll in den Gebäudeplänen aufgeführt werden, welche Gebäude verkauft oder aufgegeben werden und welche Gebäude durch Kooperationen oder Umwidmungen anderweitig genutzt und finanziert werden können.

Der „Gebäudestrategieprozess 2026+“ ist ein Teil des 2015 angestoßenen Reformprozesses der Landeskirche. Aufgrund zurückgehender Mitgliederzahlen werden künftig erheblich weniger Gebäude aus Kirchensteuermitteln mitfinanziert werden können. Die Landeskirche muss demnach den Gebäudebestand der demografischen und finanziellen Entwicklung anpassen.

„Unser Glaube kommt aus dem Stall, aus dem Zelt, aus dem Untergrund“, sagte Bischöfin Beate Hofmann. „Dieser Glaube geht nicht unter, wenn er sich von Gebäuden trennt.“ Mittel- bis langfristig seien etwa fünfzig Prozent der Kosten für Gebäude einzusparen, erläuterte EKKW-Baudezernent Timo Koch. Es gelte daher, die Voraussetzungen für eine „kleinere, agile Kirche von morgen“ zu schaffen, ergänzte Dekan Christian Wachter, der mitverantwortlich für den Gebäudestrategieprozess ist. Die Kirchenleitung ermutigte die Gemeinden, ihre Zukunft stärker mit „Anderen“ zu gestalten, beispielsweise mit Kommunen, anderen Religionsgemeinschaften, Diakonie oder Caritas.

Erste Schritte ist die kurhessische Kirche bereits gegangen: Seit 2014 wurde der Bestand bereits um 140 Gebäude reduziert. Zu den veräußerten Gebäuden gehören 65 Pfarrhäuser, 33 Gemeindehäuser, sechs Kindergarten-Gebäude, fünf Kirchen und 36 sonstige Gebäude.

Die Landessynode tagt bis Samstag, 27. April, in der Evangelischen Tagungsstätte in Hofgeismar. Die Synodalen beraten unter anderem über Förderung und Finanzierung von Klimaschutz in der EKKW sowie die Ergebnisse der Forum-Studie zu sexualisierter Gewalt und notwendige Konsequenzen daraus.

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