Die Friedenstein Stiftung Gotha hat den Nachlass des Pfarrers und Heimatforschers Paul Baethcke (1850-1936) übernommen. Das Konvolut umfasse persönliche Dokumente, 576 beschriftete Tafeln, 74 Tagebücher und 4.000 Fotos, teilte ein Stiftungssprecher mit. Baethcke habe unter anderem die Geschichte des Zisterzienserklosters Georgenthal erforscht.
Stiftungskurator Thomas Huck betonte den Wert des Bestands für die Forschung zu Reise- und Fotogeschichte, frühem Kulturtourismus, kirchlicher Reisedidaktik und transnationalem Austausch im späten Kaiserreich und der Weimarer Zeit. Zudem sei das Material für die regionale Kultur- und Kirchengeschichte Thüringens sowie zur Erforschung der mittelalterlichen Klosterlandschaft bedeutend.
Die Sammlung enthält auch Dokumente zur Familie Baethcke, die seit 1700 Pfarrer und Gelehrte stellte. Bekannt ist Baethckes Bruder Ludwig Hermann (1848-1941). Dieser war Deutschlehrer und Klassenlehrer von Thomas Mann (1875-1955) in Lübeck, der ihn in „Die Buddenbrooks“ als Oberlehrer Dr. Mantelsack persiflierte. Die Stiftung plant, die empfindlichen Materialien professionell zu archivieren und zu konservieren.
Der im brandenburgischen Reckethin geborene Paul Baethcke war zwischen 1877 und 1890 Pfarrer in Schwarzhausen (Kreis Gotha) und später in Georgenthal. Dort führte er die Ausgrabungen der Klosterruine durch. In seinen Tagebüchern dokumentierte er zudem seine Eindrücke von zahlreichen Reisen nach Frankreich, Italien, Griechenland, auf den Balkan und ins Heilige Land.