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Kritik an Kirche: Missbrauchsbetroffene wollen öffentlich sprechen

Betroffene von sexualisierter Gewalt in der hannoverschen Landeskirche kritisieren, dass sie in der kommenden Woche nur in einer nicht öffentlichen Sitzung vor dem Kirchenparlament in Hannover sprechen dürfen. In Vorgesprächen hätten Betroffene immer wieder geäußert, dass die Öffentlichkeit nicht generell ausgeschlossen werden solle, teilte die Initiative „Vertuschung beenden“ am Donnerstag mit.

Dem Wunsch einzelner Betroffener nach Ausschluss der Öffentlichkeit hätte die Synode nachkommen können, ohne den Wunsch anderer nach Öffentlichkeit zu missachten, hieße es. Auch andere Betroffene hatten bereits in einem offenen Brief darum gebeten, öffentlich sprechen zu dürfen.

Die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt ist einer der Hauptpunkte der viertägigen Herbstsynode der evangelischen Landeskirche Hannovers. Sie beginnt am 25. November. Betroffene haben am 26. November die Möglichkeit, direkt, aber nicht öffentlich zu den Mitgliedern des Kirchenparlaments zu sprechen. Die Landeskirche betont, sie wolle so einen geschützten Rahmen schaffen. Pro Redebeitrag stehen bis zu zehn Minuten zur Verfügung. Die Synode hatte bei ihrer Frühjahrssitzung im Mai beschlossen, Betroffenen erstmals ein direktes Rederecht zu ermöglichen.

Die Initiative kritisiert zudem den geplanten Ablauf der Redebeiträge. Die Betroffenen müssten einzeln oder mit einer Begleitperson vor die Synode treten, ohne dass andere Betroffene zuhören dürften. Dadurch werde ihnen die Möglichkeit genommen, Solidarität zu bekunden oder wichtige neue Informationen zu erhalten, hieß es. „Die Kirche oktroyiert Betroffenen wieder einmal Schweigegebote auf, wie sie es so oft von Tätern erleben mussten. Wieder vereinzelt uns die Kirche.“