Jedes Jahr findet in Deutschland der Vorlesetag mit zahlreichen Aktionen statt. Am Freitag ist es wieder so weit – Bundeskanzler Merz ist auch dabei. Warum Eltern ihrem Nachwuchs vorlesen sollten.
Anlässlich des bundesweiten Vorlesetags am Freitag werden Appelle an Eltern wegen der Wirkungen des Vorlesens auf Kinder laut. Der Aktionstag steht unter dem Motto “Vorlesen spricht Deine Sprache”. Jedes Jahr finden an dem Tag zahlreiche Veranstaltungen in Schulen, Kindergärten, Bibliotheken, Museen, Buchhandlungen und an anderen Orten statt. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) wird nach Angaben der Initiatoren an einer Berliner Grundschule lesen. Auf der Internetseite des bundesweiten Vorlesetags ist zudem ein digitales Vorlesefest mit Videos geplant.
Die Initiatoren des Aktionstags sind die Wochenzeitung “Die Zeit”, die Stiftung Lesen und die Deutsche Bahn Stiftung. Seit 2004 macht der Tag jeweils am dritten Freitag im November auf die Bedeutung des Vorlesens für den Bildungsweg von Kindern aufmerksam. In jeder vierten Familie in Deutschland werde eine andere Familiensprache als Deutsch gesprochen, hieß es. Dieses Jahr lege der Vorlesetag besonderen Wert auf die Vielfalt der Herkunftssprachen und veranstalte dazu auch Lesungen in mehreren Sprachen.
Vorlesen sei unerlässlich “für Vorstellungskraft, Kreativität und Bildung” und sei die Grundlage für die Neugier auf das Unbekannte, erklärte der Vorsitzende der Kinderkommission des Bundestags, Michael Hose (CDU), am Donnerstag in Berlin.
Kinder, denen regelmäßig vorgelesen werde, nähmen auch als Erwachsene regelmäßig Bücher zur Hand. “Kindern vorzulesen, ist also ein nachhaltiger Beitrag für ein lebenslanges Lernen und dafür, neugierig zu bleiben.” Gemeinsam mit Kindern ein Buch zu lesen und in Abenteuer einzutauchen, sorge außerdem für Entspannung, betonte Hose. “Eine vorgelesene Geschichte kann zu einem Ort der Ruhe werden, gerade heute, wo Kinder einer Vielzahl optischer Reize, Lärm und Stress ausgesetzt sind.”
Am Mittwoch hatte Kardinal Reinhard Marx betont, dass Lesen Mitgefühl, Sprache und Urteilsvermögen fördere. Vorlesen sei weit mehr als eine pädagogische Übung, erklärte der Vorsitzende der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz. “Kinder, denen vorgelesen wird, erfahren Wertschätzung und lernen, ihre Stimme zu formen, zu erheben und sich einzubringen.” Das sei eine wichtige Grundlage für Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Kinder lernten durchs Vorlesen, sich und andere besser zu verstehen.
Der Erzbischof von München und Freising mahnte zugleich, Bildung, insbesondere Sprachbildung, dürfe nicht vom Elternhaus oder von der sozialen Herkunft abhängen. Der Vorlesetag erinnere jedes Jahr daran, dass jedes Kind das Recht auf Geschichten, Sprache und eine eigene Stimme habe. “Dieses Recht zu schützen und zu fördern, ist eine gemeinsame Aufgabe aller gesellschaftlichen Kräfte, die weit über den Vorlesetag hinausreicht.”