Krankheitstage im Job bleiben 2025 auf hohem Niveau

Atemwegsprobleme, psychische Erkrankungen und Rückenschmerzen: Das sind wesentlichen Gründe für Arbeitnehmer, sich krankschreiben zu lassen. Der Krankenstand bleibt hoch. Kassenvertreter wollen einen Gipfel beim Kanzler.

Der Krankenstand bei Deutschlands Arbeitnehmern ist 2025 nach einer Auswertung der Krankenkasse DAK auf einem anhaltend hohen Niveau geblieben. Durchschnittlich waren DAK-versicherte Beschäftigte 19,5 Kalendertage krankgeschrieben, nur geringfügig weniger als 2024 mit 19,7 Kalendertagen, wie die DAK-Gesundheit am Dienstag in Hamburg mitteilte.

Die meisten Fehltage gingen erneut auf das Konto von Atemwegserkrankungen. Sie verursachten vergleichbar viel Arbeitsausfall wie im Vorjahr. Danach folgten psychische Erkrankungen mit einem Plus von 6,9 Prozent oder 366 Fehltagen je 100 Versicherten. Sie verdrängten Muskel-Skelett-Probleme als bisher zweitwichtigsten Grund auf Platz drei. Die Fehltage aufgrund von Atemwegsproblemen und Muskel-Skelett blieben mit 378 beziehungsweise 347 Tagen je 100 Versicherte weitgehend unverändert.

"Unsere Analysen zeigen, dass sich der Krankenstand auf einem hohen Niveau einpendelt", sagte der DAK-Vorstandsvorsitzende Andreas Storm. Er begrüßte die von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) angestoßene Debatte um den im internationalen Vergleich hohen Krankenstand und forderte einen Krankenstands-Gipfel im Kanzleramt. "Ein wichtiger Baustein kann die Einführung einer Teilkrankschreibung bei bestimmten Erkrankungen und Diagnosen sein."

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) kündigte unterdessen an, dass sie die Regelungen zur telefonischen Krankschreibung überprüfen will. Die Regierungsparteien hätten sich im Koalitionsvertrag darauf verständigt, Missbrauch auszuschließen, sagte die CDU-Politikerin dem "Tagesspiegel". Die Linke kritisierte die Debatte. Einzelfälle würden wider besseres Wissen zum Generalverdacht aufgebauscht, sagte die zuständige Fraktionssprecherin Julia-Christina Stange. Hausärzte und Krankenkassen betonten, dass die Telefon-AU nicht zu mehr Krankschreibungen führe. Erkrankte Beschäftigte, gerade in ländlichen Regionen mit wenigen Arztpraxen, wieder in den Praxen vorsprechen zu lassen, verschärfe bestehende Missstände und belaste die Hausarztpraxen.

Auch der Allensbacher Gesundheitsökonom Volker Nürnberg sieht in der Teilkrankschreibung ein geeignetes Instrument: "Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter befinden sich nicht in einem eindeutigen Zustand von gesund oder krank, sondern dazwischen. Deshalb macht eine Teilkrankschreibung für bestimmte Tätigkeiten oder nur für einen Teil der Arbeitsstunden Sinn." Das könnten zum Beispiel drei von acht Arbeitsstunden pro Tag sein - möglicherweise auch im Homeoffice. "Eine solche Regelung hat das Potenzial, zu einem signifikant niedrigeren Krankenstand zu führen."

Die durchschnittliche Dauer einer Krankschreibung lag 2025 laut DAK bei knapp zehn Tagen. Bei den älteren Beschäftigten konnte ein Fall jedoch auch wesentlich langwieriger sein. So dauerte eine Krankschreibung bei den über 60-Jährigen im Durchschnitt etwa zwanzig Tage. Die DAK-Gesundheit beobachtet seit Jahren, dass es bei älteren Beschäftigten zunehmend zu längeren Krankschreibungen kommt und sie eher seltener, aber dafür im Durchschnitt immer länger krankgeschrieben sind.

Im Branchenvergleich zeigt die Analyse der DAK-Gesundheit den höchsten Krankenstand im Gesundheitswesen mit 6,2 Prozent. Entsprechend hatten Beschäftigte in Krankenhäusern und Pflegeheimen pro Kopf die meisten Fehltage: durchschnittlich 22,5 Tage pro Jahr. Den niedrigsten Krankenstand hatten Beschäftigte in der Datenverarbeitungsbranche mit 3,4 Prozent und durchschnittlich nur 12,6 Fehltagen pro Kopf und Jahr.

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