Die Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) schlägt zur Lösung der Finanzprobleme der Krankenkassen die Einführung von Wahltarifen vor. Wahltarife könnten auch eine Option in der gesetzlichen Krankenversicherung sein, sagte der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ (Mittwoch). Jeder sollte wählen können zwischen einem ungesteuerten Zugang zu einem vollen Leistungskatalog oder einer ärztlichen Steuerung. Werde bei einer Steuerung Geld gespart, müssten die Beitragszahler davon durch niedrigere Beitragssätze profitieren und die Ärzte diese Steuerung finanziert bekommen, erklärte der KBV-Chef.
Der Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung sei weltweit der umfassendste und am leichtesten zugängliche. „Leistungskürzungen in der Absicherung schwerer Gesundheitsrisiken wollen wir nicht“, unterstrich Gassen. Eine völlig ungesteuerte Leistungsinanspruchnahme sei aber dauerhaft weder leistbar noch zu finanzieren. Dass jeder alles zu jeder Zeit bekomme, ohne dass ein zwingender medizinischer Grund dafür vorliege, und die Ärzteschaft ihre Arbeit nicht einmal vollständig bezahlt bekomme, werde nicht funktionieren.
Patientinnen und Patienten, die an der hausarztzentrierten Versorgung teilnehmen und sich damit für eine koordinierte Versorgung entscheiden, sollten künftig einen Bonus erhalten, erklärte der Hausärztinnen- und Hausärzte-Verband. Dieser Weg sei „zielführender und deutlich bürokratieärmer“ als eine aktuell debattierte Rückkehr zur Praxisgebühr, sagte der Bundesvorsitzende des Verbands, Markus Beier, der Zeitung. Umso wichtiger sei es, dass sich Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) mit einem Gesetz für eine Stärkung der hausarztzentrierten Versorgung einsetze. Vorschläge um eine Wiedereinführung der Praxisgebühr würden „an der völlig falschen Stelle“ ansetzen.