Junge Beschäftigte haben sich nach Krankenkassenangaben im vergangenen Jahr so oft krankschreiben lassen wie nie zuvor. Auf jede und jeden Versicherte kamen im Schnitt 2,79 Krankenscheine, knapp 53 Prozent mehr als im Vorjahr (2021: 1,83 Krankenscheine), wie die AOK Rheinland/Hamburg am Donnerstag mitteilte. Damit habe jede Person aus der Altersklasse insgesamt 19 Tage am Arbeitsplatz gefehlt, täglich seien mehr als 5 von 100 Beschäftigten ausgefallen. Auch gegenüber den anderen Vergleichsjahren sei das ein Negativrekord, so die AOK.
Besonders weist die Krankenkasse auf gestiegene Krankschreibungen wegen psychischer Belastung hin. So seien zwar im vergangenen Jahr Atemwegs- oder Magen-Darm-Erkrankungen, Corona und Rückenschmerzen weiterhin für die meisten Krankschreibungen verantwortlich. Jedoch ist laut AOK bei den Arbeitsunfähigkeitstagen aufgrund seelischer Leiden nahezu durchgängig ein Anstieg festzustellen – innerhalb der vergangenen zehn Jahre habe sich ihr Anteil bei den Fehltagen jüngerer Beschäftigter um fast 50 Prozent erhöht.
“Das ist ein alarmierender Trend, der es notwendig macht, sich auch die dahinterliegenden Diagnosen genauer anzuschauen”, erklärte Sabine Deutscher, Vorstandsmitglied der AOK Rheinland/Hamburg. Vor allem Angst- und Belastungsstörungen nähmen bei jüngeren Beschäftigten signifikant zu. Das deute auf eine veränderte Lebensrealität der sogenannten Generation Z hin. “Zukunftsängste, Leistungsdruck und eine permanente Erreichbarkeit können zu hohen Belastungen führen und psychische Erkrankungen begünstigen”, so Deutscher.
Für die Studie hat die Krankenkasse den eigenen Angaben zufolge gemeinsam mit ihrem Institut für Betriebliche Gesundheitsförderung die Daten von mehr als 300.000 berufstätigen Versicherten der AOK Rheinland/Hamburg zwischen Rhein und Ruhr mit einem Höchstalter von 29 Jahren ausgewertet.