Kolumne: Das Dreikönigsfest ist ein Fest der Vielfalt

Sie kamen aus verschiedenen Himmelsrichtungen und waren vereint durch die Suche nach der Verbindung – darum steht das Dreikönigsfest für Vielfalt, schreibt Tash Hilterscheid in der neuen Kolumne.
Kolumne: Das Dreikönigsfest ist ein Fest der Vielfalt
Die Heiligen Drei Könige dürfen in keiner Krippe fehlen - Imago / Imagebroker
Ein junges Paar ist auf der Flucht. Es wird ein Kind geboren. Die Vaterschaft des Kindes ist nicht ganz geklärt. Doch das ist nicht wichtig. Der Mann ist an der Seite der Mutter. Und da sind die Hirten. Und nun kommen noch mehr dazu. Die Heiligen Drei Könige. In Wahrheit waren es gar keine Könige, sondern Sterndeuter oder Magier, die wertschätzend formuliert als „Weise“ beschrieben werden können. Tatsächlich waren das Menschen, die zu dieser Zeit insbesondere dem jüdischen Glauben nach eher als suspekt und vielleicht als spleenig betrachtet wurden. Sicherheitshalber wurde ihr Rat hin und wieder auch von machthabenden Personen gesucht.

Sie symbolisieren die Erdteile

Sie selbst aber waren nicht mächtig in dem Sinne. Ich denke, das ist wichtig zu wissen, wenn wir diese Überlieferung heute lesen. Denn genau wie die Hirten, die damals als unrein und unehrlich galten, sind auch die Sterndeuter alles andere als privilegiert. Und doch – oder gerade deshalb stehen sie im Mittelpunkt. Die drei Magier kamen aus verschiedenen Himmelsrichtungen, das heißt, ihre Herkunft und ihre Kulturen waren unterschiedlich. Sie symbolisieren die damals bekannten Erdteile Europa, Asien und Afrika. Und dennoch waren sie vereint durch die Suche nach dem, was sie verbinden könnte.

Die Unterschiede spielen keine Rolle

Im Grunde ist das Dreikönigsfest also ein Fest der Vielfalt. Unterschiedliche Menschen kommen zusammen. Die Unterschiede in Herkunft, Hautfarbe und Lebensformen bleiben bestehen. Aber sie spielen einfach gerade keine Rolle. Herodes wünscht sich von ihnen, fordert sogar, dass sie den Ort preisgeben, an dem der Messias geboren wird. Doch sie lassen sich nicht spalten. Zu stark ist die Hoffnung, dass mit dem Messias etwas entstehen könnte, das die Vielfalt zusammenbringt, ohne sie zu entmächtigen. Ohne sie in Schubladen zu packen, zu diskriminieren oder ihnen Gewalt anzutun. Sondern um sie ins Licht zu stellen. Gerade jetzt, wo Kriege, Hass und Hetze immer spürbarer werden, kann uns dieses Fest daran erinnern, wie es anders gehen könnte. Frei von Autoritäten, starren Kategorien und Vorurteilen müssen Unterschiede kein Anlass für Streit und Diskriminierung sein. Ein Mensch steht vor einem pinken Leuchtschild mit der Aufschrift "God ist queer" Tash Hilterscheid ist die Pfarrperson für queersensible Bildungsarbeit der Nordkirche. Hier schreibt Hilterscheid jeden Monat in einer Kolumne über queeres Leben.
Kristina TeschK
Ein Beitrag von:

Kristina Tesch

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