Hitze, Dürre, Starkregen: Ein Überblick über die Folgen des Klimawandels in Deutschland – und wie wir uns anpassen können.
Die Erderwärmung schreitet voran. 2024 war laut Messungen das erste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen, in dem die globale Durchschnittstemperatur mehr als 1,5 Grad Celsius über dem Wert der vorindustriellen Zeit lag. Bis Ende des Jahrhunderts könnte sich die Erdatmosphäre laut Schätzungen der Vereinten Nationen sogar um bis zu 2,8 Grad Celsius aufheizen, mit unberechenbaren Folgen. Bereits bei einem geringeren Temperaturanstieg werden ganze Landstriche unbewohnbar, Wetterkatastrophen wie Dürren, Starkregen oder Stürme nehmen zu.
Europa ist laut dem EU-Klimadienst Copernicus der sich am schnellsten erwärmende Kontinent. In Deutschland ist die Temperatur seit dem Beginn systematischer Messungen im Jahr 1881 sogar um 2,5 Grad Celsius gestiegen, wie Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zeigen – und damit doppelt so viel wie im globalen Durchschnitt.
Der DWD verzeichnet eine „markante Zunahme von Hitzeereignissen“ in Deutschland. Sommertage über 25 Grad Celsius hätten sich seit den 1950er Jahren verdoppelt, heiße Tage über 30 Grad sogar vervierfacht. Darunter leiden vor allem ältere Menschen mit Vorerkrankungen. Das Robert Koch-Institut schätzt die Zahl hitzebedingter Sterbefälle für die Sommer 2023 und 2024 auf jeweils etwa 3.000.
In Städten ist die Belastung mitunter besonders groß. Eine Analyse der Oberflächentemperatur für mehr als 70 Großstädte des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) zeigt, dass die Versiegelung – also eine mehr oder weniger lückenlose Bebauung – die Hitzebelastung verstärkt. Laut DLR-Forscher Hannes Taubenböck können die Temperaturunterschiede zwischen Innenstadtgebieten und ländlichen Räumen teilweise bei acht bis zehn Grad Celsius liegen. Eine geringere Bebauungsdichte und Grünflächen können für Abkühlung sorgen. Vor allem Stadtgrün könne „städtische Temperaturen signifikant senken“, unterstreicht das DLR.
Kaum eine Branche ist so stark abhängig vom Wetter wie die Landwirtschaft, so heißt es auf der Webseite des Deutschen Bauernverbands – und auch wenn nicht jede Trockenphase direkt auf den Klimawandel zurückzuführen ist, stellt er Bäuerinnen und Bauern vor große Herausforderungen. Konkret nennt der Verband etwa zunehmende Hitze- und Trockenperioden, aber ebenso Extremwetterereignisse wie Starkregen oder Hagel.
Bereits heute passen Landwirte sich an die neuen klimatischen Bedingungen an, zum Beispiel, indem Kulturen wie Soja angebaut werden, die besser mit Trockenheit umgehen können. Der Weinbau wiederum wandert laut Bauernverband mit dem Klimawandel nach Norden.
Die Erderwärmung wirkt sich auf viele Ökosysteme aus. Das Wattenmeer in der Nordsee zum Beispiel ist laut dem Umweltverband WWF durch den Klimawandel und den damit einhergehenden Meeresspiegelanstieg „massiv bedroht“. Wattflächen, Salzwiesen, Strände und Dünen könnten verloren gehen, warnen die Umweltschützer. Dadurch würden sich auch die Nahrungsflächen für Millionen von Vögeln verringern.
Auch die noch nicht trockengelegten Moore könnten sich durch sinkende Wasserstände verändern oder ganz verschwinden. Dabei bieten sie laut Bundesumweltministerium für Pflanzen und Tiere, die bereits vom Aussterben bedroht sind, einen wichtigen Rückzugsraum.
Die Wälder leiden in Deutschland ebenfalls unter dem Klimawandel. Das Umweltministerium nennt etwa veränderte Niederschlagsmenge sowie die zunehmend ungleiche Verteilung des Niederschlags über die Jahreszeiten hinweg als Risiken, ebenso wie Dürren und Stürme. In den Jahren 2018 bis 2020 sowie 2022 hätten lange Trocken- und Hitzeperioden, Waldbrände und Schädlinge zum „flächigen Absterben, insbesondere nicht standortgerechter Nadelwälder, geführt“.