Sommerferien – für viele Jugendliche eine scheinbar unendlich lange Auszeit von der Schule. Vom anstrengenden Alltag bieten sie die einmalige Chance ganz besondere Erfahrungen zu machen, die oft ein ganzes Leben lang als sehnsuchtsvolle Erinnerung bewahrt werden. Aus gutem Grund gehören Jugendfahrten unverändert zum Repertoire der kirchlichen Jugendarbeit.
Kein anderes Angebot wirkt so intensiv auf die Beteiligten, die sich für einige Tage oder auch mehrere Wochen in eine besondere Form von Gemeinschaft begeben. Ohne Eltern mit Gleichaltrigen, Freunden oder auch Fremden unterwegs zu sein, neue Erfahrungen zu machen, die eigenen Grenzen zu überwinden, herausgefordert zu werden und sich auf gänzlich neue Lebensbedingungen einzulassen – all das geschieht gleichzeitig und all das sind Aspekte solcher Reisen.
Evangelische Jugend Reinickendorf in Südschweden unterwegs
Die Evangelische Jugend Reinickendorf bricht seit Jahrzehnten in jedem Sommer mit Kanus und Zelten, mit leichtem Gepäck und für die Teilnehmenden nur vagen Erwartungen nach Südschweden auf. Hier finden sich die Voraussetzungen, die ein besonderes pädagogisches Konzept ermöglichen. Die Gruppe ist fast auf sich allein gestellt. Das skandinavische Jedermannsrecht – das Recht auf freien Zugang zur Natur – ermöglicht den annähernd unbeschränkten Aufenthalt in der Natur und fordert zugleich den sorgfältigen und bewusst ressourcenschonenden Umgang mit der Schöpfung ein. Die gemeinsame Reise, der Ablauf eines jeden Tages gelingt nur durch das kooperative Handeln aller. Nur gemeinsam können die Gruppenzelte aufgebaut und wieder eingepackt werden. Nur durch die Kraft und Geschicklichkeit aller gelingt es der Gruppe, sich in 14 Tagen mehr als 170 Kilometer in Kanus auf einem Fluss fortzubewegen. Nur eine faire Aufgabenteilung und verantwortungsvolles Verhalten ermöglichen, dass bei den Mahlzeiten nicht nur jeder satt, sondern auch glücklich wird. Gerade in der Gruppe lernen junge Menschen viel über sich selbst und ihre Mitmenschen. Das gemeinsame Erleben, das Teilen von Erfahrungen und das Bewältigen von Herausforderungen in einer Gemeinschaft fördern Empathie, Toleranz und Teamfähigkeit. Hier können Kinder und Jugendliche lernen, aufeinander Rücksicht zu nehmen, Konflikte konstruktiv zu lösen und Verantwortung füreinander zu tragen. Solche Erfahrungen sind essenziell für die Entwicklung sozialer Kompetenzen, die sie ihr Leben lang begleiten und stärken.Die Herausforderungen und Lernprozesse sind hierbei so individuell wie die Jugendlichen selbst. Eine Teilnehmerin war noch nie länger als zwei Tage allein von zu Hause weg und überwindet hier mit Unterstützung der anderen ihr Heimweh. Ein Junge, der mit seinem ADHS regelmäßig in anderen Gruppen als störend empfunden wurde und dessen Eltern es schon gewohnt sind, ihn von jeder Reise vorzeitig abholen zu müssen, entdeckt sich als positiver und gewollter Teil einer Gruppe. Er kann sich unter den Bedingungen der Natur und der körperlichen Aktivität selbst ganz anders erleben. Ein Mädchen lernt zum ersten Mal im Alter von 15 Jahren, wie man Geschirr mit der Hand abwäscht – und dies in einem See. Getragen von der positiven Energie der Gruppe überwindet eine andere Teilnehmerin beim Ausflug in einen Hochseilgarten laut schreiend ihre Höhenangst und erklimmt die kompletten 22 Meter Höhe.Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an
