Mit eindringlichen Appellen zu Menschlichkeit, Respekt und Hoffnung haben Kirchenvertreter in Baden-Württemberg an Weihnachten zu gesellschaftlichem Zusammenhalt aufgerufen. In Predigten und Botschaften erinnerten sie daran, Hass und Kälte in der Gesellschaft mit Mitgefühl und Verantwortung zu begegnen.
Der evangelische württembergische Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl rief in der Stuttgarter Stiftskirche dazu auf, einen „anderen Ton“ in öffentliche Debatten einzubringen. Christen sollten die Menschenfreundlichkeit Gottes im Alltag weitergeben, sagte er. Grundlage dafür sei die Taufe, in der Gläubige zu „Erben der Menschenfreundlichkeit Gottes“ würden.
Die badische Landesbischöfin Heike Springhart erinnerte daran, dass die Weihnachtsgeschichte auch eine Geschichte von Flucht, Angst und politischer Willkür sei. Weihnachten fordere dazu heraus, die Schwachen und Schutzsuchenden im Blick zu behalten, betonte sie. Besonders kritisierte Springhart den Umgang der Bundesregierung mit gefährdeten Afghanen, die weiterhin auf Schutz warteten. Weihnachten widerspreche der gesellschaftlichen Kälte und verspreche, dass „das Licht stärker ist als die Dunkelheit“.
Der Freiburger Erzbischof Stephan Burger mahnte, die Friedensbotschaft des Christentums als Auftrag zum Handeln zu begreifen. Gott werde gerade in die Orte der Hoffnungslosigkeit und des Leids hineingeboren, sagte er in seiner Weihnachtsmesse. Kein Trümmerhaufen in Konfliktgebieten wie Gaza, der Ukraine oder Syrien sei „zu mächtig für Gottes Liebe“. Als „Kinder Gottes“ hätten Christen den Auftrag, die Welt zum Guten zu verändern – durch Einsatz für Gerechtigkeit, Respekt und die Bewahrung der Schöpfung.
Bereits an Heiligabend hatten katholische Bischöfe in der Diözese Rottenburg-Stuttgart mit Gottesdiensten in Gefängnissen und Pflegeeinrichtungen Zeichen der Nähe gesetzt. Bischof Klaus Krämer betonte in der JVA Schwäbisch Hall, Inhaftierte seien „nicht vergessen“. Weihbischof Thomas Maria Renz sagte in Heimsheim, Gott komme „nicht zu den Perfekten, sondern zu den Gescheiterten“. (3359/26.12.2025)